Für den Feuchtwanger CSU-Ortsverband war es der Startschuss für den Kommunalwahlkampf: die Nominierungsversammlung für den Bürgermeisterkandidaten und die Liste für den Stadtrat. Dass die CSU wieder Bürgermeister Patrick Ruh ins Rennen schicken wird, war schon länger klar.
„Nicht ganz einfach” sei allerdings die Zusammenstellung der Stadtratsliste gewesen, stellte Ortsvorsitzender Herbert Lindörfer fest. Dennoch sei es gelungen, eine „gute Mischung” von Alter, Berufen, Männern und Frauen zu finden. „Eine starke Liste”, freute er sich. Bemerkenswert sei, wie viele Menschen sich bereit erklären würden, für die Kommunalparlamente zu kandidierte, merkte Lindörfer noch an, ehe er einen Abriss über die in den zurückliegenden fast sechs Jahren erreichten Ziele der Feuchtwanger CSU gab.
Die CSU habe nicht nur Visionen, sie setze sie auch um, stellte der Ortsvorsitzende fest. Zwar hätten manche den Eindruck, in Feuchtwangen passiere nichts. Doch das täusche. Er belegte diese These mit der Umfahrung von Sommerau, die in diesem Jahr eingeweiht wurde, und der Westumfahrung, die bereits von Ruhs Amtsvorgänger Wolf Rüdiger Eckardt angestoßen worden sei. Für ihre Vision, Feuchtwangen zu einem Hochschulstandort zu machen, sei die CSU belächelt worden, fuhr Lindörfer fort. Mittlerweile sei das zweite Lehrsaal-Gebäude eingeweiht worden.
Eng mit der Hochschule sei die Energiewende in Feuchtwangen verwoben, listete der Ortsvorsitzende auf. Kindertagesstätten und Kurzeitpflege seien weitere Projekte, die umgesetzt wurden. Genau so solle es auch in der nächsten Wahlperiode weitergehen.
Vor seiner Wahl zum Bürgermeisterkandidaten ging Patrick Ruh in seiner Vorstellungsrede auf „drei Visionen von strategischer Bedeutung” ein: Zukunftsperspektiven für junge Menschen, den Wirtschaftsstandort Feuchtwangen bis 2035 CO₂-neutral aufzustellen und die Stadt als Baukompetenzzentrum von nationaler Bedeutung weiterzuentwickeln.
Zu letzterem erklärte Ruh, dass ein Cluster gebildet werden solle, um das sich weitere Institutionen ansiedeln können. Dafür gebe es im Baugebiet Hochschule eine Vorratsfläche.
Ebenso am Herzen liege ihm die Existenzgrundlage für junge Menschen, die in Feuchtwangen bleiben wollen. Dafür brauche es in erster Linie Arbeitsplätze, „die sind die Grundlage”. Die Stadt sei da auf einem guten Weg, so Ruhs Überzeugung. In den vergangenen Jahren seien 1500 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden. „Es müssen nicht immer die großen Paukenschläge sein”, meinte der Bürgermeister, der seit 2008 auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt und jetzt seine vierte Amtszeit anstrebt.
Die Stadt Feuchtwangen habe eine ausdifferenzierte Wirtschaftsstruktur mit einer stabilen Entwicklung. Außerdem lebten hier überdurchschnittlich viele junge Menschen und das hänge sicherlich mit den Strukturen zusammen.
Eine Vorreiterrolle nehme Feuchtwangen mittlerweile beim Ziel der CO₂-Neutralität ein. Dabei gehe es zwar auch um Klimaschutz, aber in erster Linie um den Wirtschaftsstandort. Während die Industrie in Deutschland im Sinkflug sei, sei der Standort Feuchtwangen stabil, analysierte Ruh. Als Grund nannte er die Energiepreise, die in Deutschland zu hoch seien. „Und das ist der Punkt, an dem wir ansetzen”, erklärte er. Das Zauberwort sei „PPA”: Power Purchase Agreements oder langfristige Stromkaufvereinbarungen über die Lieferung von Strom aus erneuerbaren Energien.
Ein Beispiel sei die Photovoltaikanlage nahe der Rehau-Niederlassung. „Das ist vielleicht optisch nicht schön, aber liefert unschlagbar günstigen Strom”, erklärte Ruh. Und von solchen Projekten profitierten die Unternehmen. Auch bei Windkraft oder der Wärmeplanung, bei Batteriespeichern oder dem Elektrolyseur müssten jetzt die herrschenden vorteilhaften Rahmenbedingungen genutzt werden. Durch die Bemühungen werde Feuchtwangen energieunabhängig, die Energiepreise seien fest kalkulierbar „und den Klimaschutz gibt's obendrauf”, fasste er das zusammen. „Wir haben nicht die Visionen, sondern wir setzen sie um.”
Weitere Themen, die er streifte, waren der soziale Zusammenhalt in Stadt und Land, die Stabilisierung der Ortsteile und die Altstadtbelebung. Durch kulturelle Angebote kämen Menschen dorthin und diese sollen weiter von der Kommune unterstützt werden. Was laut Ruh in Innenstädten ebenfalls noch gut funktioniere, seien Gesundheitsdienstleister. Da habe sich in der Vergangenheit einiges getan.
Patrick Ruh wurde von allen 20 Wahlberechtigten einstimmig als Bürgermeisterkandidat aufgestellt. Für die Liste der Stadtratskandidierenden gab es eine Gegenstimme. Gewählt wurden in der Reihenfolge: Patrick Ruh, Herbert Lindörfer, Jürgen Kiderlen, Sabine Soldner, Ralf Hübsch, Martin Schneider, Heidi Kubatz, Friedrich Probst, Jochen Moser, Hans Schmeißer jun., Burcu Akcay, Michael Köhnlein, Max Göhring, Marco Bürger, Philipp Weinstein, Marco Liebing, Stefan Fink, Dominik Döppert, Ardi Stiemer, Daniel Asofiei, Hans Gulden, Alexander Braun, Iris Schweizer und Roland Turba.