Untypisch war das Programm, mit dem der Kammerchor Cantabile Regensburg in Herrieden auftrat – und zugleich war es ideal dafür geeignet, sich vorzustellen. Der Chor, den Matthias Beckert leitet, war noch nie in der Region zu hören. Es wurde höchste Zeit.
Zeitgenössische Werke gehören fest zum Repertoire von Cantabile Regensburg. Bei den Stiftsbasilikakonzerten hingegen gab Beckert eine klingende Visitenkarte anderer Art ab. Der Karlsruher Professor für Chorleitung interpretierte mit seinem Ensemble ein geschlossenes Programm, das auf deutsch-österreichische Romantik fokussiert war.
Unter dem Motto „Jauchzet dem Herrn, alle Welt”, versammelte es geistlichen Kompositionen, die zu den bedeutendsten und beliebtesten A-cappella-Werken dieser Epoche gehören, Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Anton Bruckner, Josef Rheinberger und Johannes Brahms.
Insofern war es eine schöne Geste der Wertschätzung, dass auch zwei Chorsätze von Hans Koessler auf dem Programm standen. Musik des Oberpfälzers, der vor allem in Budapest wirkte, ist hierzulande nach wie vor kaum präsent. Hans Koessler, Schüler Rheinbergers, Brahms-Freund und selbst Lehrer prominenter ungarischer Komponisten von Kodály bis Bartók, starb vor 100 Jahren in Ansbach. Matthias Beckert wies beim Konzert darauf hin und natürlich auf die Qualität von Koesslers Kompositionen.
So war im Gedenkjahr, wenn auch nicht in Ansbach, so doch in der Nachbarschaft, Musik des Meisters zu hören: „Wanderers Nachtlied” und „Einsamkeit”. Cantabile hat übrigens bereits vor zehn Jahren eine Koessler-CD veröffentlicht.
Hier und bei den Kernwerken des romantischen Repertoires demonstrierte Matthias Beckert die Exzellenz seines vielfach ausgezeichneten Ensembles. Intonationsrein, wortklar und stimmschön fächerte er die geistlichen Motetten auf: natürlich fließend im Duktus, agogisch subtil die Texte nachvollziehend, ohne dass sie je überartikuliert wirkten.
Der dynamische Umfang von Cantabile Regensburg ist enorm, reicht vom mystisch sonoren Pianissimo, etwa bei Bruckners „Locus iste”, bis hin zu gewaltigen Forteentladungen, die den Eindruck von Licht und Gottes Herrlichkeit evozieren. Noch in der größten Steigerung klingt das so gesangvoll, dass es dem Namen des Chores alle Ehre macht.
So folgte, beginnend mit Mendelssohns „Jauchzet dem Herrn, alle Welt”, ein Höhepunkt auf den anderen, Mendelssohns „Richte mich Gott”, etwa oder Brahms' „Warum ist das Licht gegeben dem Mühlseligen” oder dessen „Fest- und Gedenksprüche”. Beckerts Interpretationen verbindet, dass sie weniger stark auf den Ausdruck von Schmerz, von existenzieller Erschütterung zielen als auf die Erlösung davon. Cantabile verwandelt Hoffnung in schimmernden Klang. Rheinbergers doppelchörige Cantus Missae wurde so zum Ereignis.
Am Ende des Konzertes war der Beifall lang. Cantabile Regensburg gab zwei Zugaben, Rheinbergers „Abendlied” und Mendelssohns „Denn er hat seinen Engeln befohlen” – auch das: zwei Prachtstücke des Repertoires, eindrucksvoll gesungen.