Busbrand in Schweiz: Täter hatte wohl psychische Probleme | FLZ.de

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Veröffentlicht am 11.03.2026 12:18, aktualisiert am 11.03.2026 15:39

Busbrand in Schweiz: Täter hatte wohl psychische Probleme

Der Bus brannte völlig aus. (Foto: --/KANTONSPOLIZEI FREIBURG/dpa)
Der Bus brannte völlig aus. (Foto: --/KANTONSPOLIZEI FREIBURG/dpa)
Der Bus brannte völlig aus. (Foto: --/KANTONSPOLIZEI FREIBURG/dpa)

Das tödliche Feuer in einem Schweizer Linienbus ist nach Angaben der Behörden mutmaßlich von einem psychisch labilen Mann ausgelöst worden. Die Tat habe keinen ideologischen Hintergrund, so die Polizei. Bei dem Inferno in Kerzers in der Nähe von Bern starben sechs Menschen, fünf Personen wurden verletzt. 

Der mutmaßliche Brandstifter sei mit Säcken in der Hand in den Bus eingestiegen und habe sich nach Angaben von Zeugen eigenartig verhalten, sagte Generalstaatsanwalt Raphaël Bourquin in einer Pressekonferenz. Plötzlich habe sich der etwa 60-jährige Schweizer mit einer entflammbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann unter den Todesopfern ist.

Die Ermittler stehen laut Bourquin in Kontakt mit der Familie des Mannes. Er werde als Person beschrieben, die am Rande der Gesellschaft gelebt habe und psychisch gestört gewesen sei, sagte Bourquin.

Der mutmaßliche Brandstifter sei zuvor eher im medizinischen Bereich als im Bereich der Strafverfolgung bekannt gewesen, erklärte er. Die Behörden schließen einen terroristischen Hintergrund aus, hieß es bei der Pressekonferenz, an der Vertreter des Kantons, der Polizei und der Justiz teilnahmen.

Beklemmende Bilder und Aussagen von Augenzeugen

Schweizer Medien wie „Blick“ und „20 Minuten“ verbreiten mutmaßliche Augenzeugen-Videos von dem Inferno. Die Aufnahmen sind beklemmend. Eines der Videos zeigt, wie der Bus an einem Zebrastreifen in Kerzers steht. Zunächst steigt dunkler Rauch aus dem Fahrzeug in den Abendhimmel. Dann flackern auch Flammen auf. Aus einer anderen Perspektive ist zu sehen, dass das Feuer zunächst offenbar in der Mitte des Busses loderte. In einer weiteren Aufnahme brennt bereits das ganze Fahrzeug lichterloh. Die Videos konnten nicht unabhängig verifiziert werden. 

„Alles ging so schnell - und dann stand binnen Augenblicken alles in Flammen“, sagte ein Zeuge, dessen Autowerkstatt unweit des Unglücksortes liegt. „Von der Hitze explodierten sogar die Reifen und flogen bis zu 200 Meter weit“, erzählte er der Zeitung „Blick“. 

Ein Rentner, der neben dem Brandort im Zentrum von Kerzers wohnt, schilderte gegenüber „Blick“, dass ein Mann mit einem Stein eine Scheibe des Busses eingeschlagen habe. Kurz darauf habe sich jemand aus dem Fahrzeug befreien können. „Das ist einfach nur schlimm und traurig“, sagte er.

Brandopfer stammen aus der Region

Die Opfer des Brandes stammen alle aus der Region. Wie die Polizei weiter berichtete, werde die genaue Identität der sechs Toten voraussichtlich im Laufe des Nachmittags mitgeteilt, sobald die Angehörigen informiert worden seien. Von den fünf Verletzten seien noch zwei im Krankenhaus, hieß es. 

Der völlig ausgebrannte Bus gehört dem Unternehmen Postauto, das in der Schweiz vor allem ländliche Gebiete verbindet. Der Bus verkehrte auf einer Strecke zwischen den zwei kleinen Gemeinden Düdingen und Kerzers.

„Die Gemeindebehörde von Kerzers bekundet ihre Betroffenheit mit den Familien und Angehörigen der Opfer“, hieß es auf der offiziellen Homepage des Ortes. Die Gemeinde mit knapp 5.600 Einwohnern liegt in einem der wichtigsten Gemüseanbau-Gebiete der Schweiz.

Nächstes Inferno nach Brand von Crans-Montana

Die Schweizer Politik reagierte entsetzt. Im etwa 26 Kilometer entfernten Bern gedachten beide Kammern des Parlaments der Todesopfer, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. „Wie aus dem Nichts nimmt eine alltägliche Situation eine unvorstellbare Wende, vielleicht auf dem Heimweg von der Arbeit oder von der Schule“, sagte Stefan Engler, der Präsident des Ständerates, in dem die Schweizer Kantone vertreten sind. „Dieses tragische Ereignis erschüttert nicht nur eine Region, einen Kanton, sondern weit darüber hinaus“, sagte Nationalratspräsident Pierre-André Page.

Der Busbrand folgt auf das Silvester-Inferno von Crans-Montana, das noch immer die Öffentlichkeit und die Behörden in der Schweiz beschäftigt. Zum Jahreswechsel brach in einer Bar ein verheerender Brand aus. Es gab 41 Todesopfer, Dutzende Menschen wurden verletzt. „Es bestürzt mich und macht traurig, dass wiederum Menschen in der CH (Schweiz, Anm.) bei einem schweren Brand ums Leben gekommen sind“, schrieb Bundespräsident Guy Parmelin auf der Plattform X.

© dpa-infocom, dpa:260311-930-800820/2


Von dpa
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