Veröffentlicht am 18.05.2022 17:36

Bund will Corona-Impfstoff für den Herbst beschaffen

Eine Ampulle mit dem Impfstoff Moderna. (Foto: Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa)
Eine Ampulle mit dem Impfstoff Moderna. (Foto: Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa)
Eine Ampulle mit dem Impfstoff Moderna. (Foto: Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa)

Der Bund will zusätzlichen Corona-Impfstoff für den Herbst bestellen und damit auch mehrere mögliche Virusvarianten breiter abdecken.

„Wir müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Mittwoch. Eine vom Bundeskabinett beschlossene Strategie sehe daher weitere 830 Millionen Euro vor, um ein vom Hersteller Moderna angekündigtes Präparat zu beschaffen, das bei verschiedenen Varianten zugleich wirke. Bei einem Treffen der G7-Ressortchefs in Berlin soll es unter anderem um bessere Strategien für weltweite Gesundheitskrisen gehen.

Deutschland wolle trotz eines aktuellen Impfstoff-Überschusses weitere Dosen über EU-Beschaffungen bestellen, erläuterte Lauterbach. Die Pandemie sei nicht vorbei, und die Impfstoffe würden benötigt. „Wir wissen aber nicht, welche Varianten im Herbst uns konfrontieren werden.“ Über Verträge der alten Regierung sei ausreichend Impfstoff da, der gegen die Ursprungsvariante samt Delta-Variante wirke. Auch ein zweiter, rein auf die Omikron-Variante angepasster Impfstoff von Biontech sei bestellt. Zusätzlich beschafft werden solle nun ein von Moderna vorbereitetes Präparat, das bei beiden Virus-Typen wirke.

Nie wieder zu wenig Impfstoff

Lauterbach betonte, eine Lehre aus der Pandemie sei, nie wieder zu wenig Impfstoff zu haben. Er kündigte eine Impfkampagne mit Blick auf den Herbst an. Allen, die es bräuchten oder wünschten, solle auch eine vierte Impfung angeboten werden können. Um so schnell wie möglich impfen zu können, sollten die Impfzentren weitergeführt und vom Bund mit bis zu 100 Millionen Euro pro Monat unterstützt werden.

Über Schutzmaßnahmen bei einer erwarteten Infektionswelle im Herbst gibt es in der Koalition bereits Diskussionen. Der Grünen-Experte Janosch Dahmen sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch), das Infektionsschutzgesetz müsse so reformiert werden, „dass Bund und Länder für den Ernstfall ausreichende Maßnahmen zur Verfügung haben“. Zur Vorsorge gehöre, dass bei einer erneuten Welle die 2G- und 3G-Regeln, die Maskenpflicht in Innenräumen und Testpflichten in bestimmten Risikobereichen rechtzeitig reaktiviert werden könnten.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte indes den Funke-Zeitungen: „Freiheitseinschränkungen auf Vorrat wird es mit der FDP nicht geben.“ Man müsse sich auf den Herbst vorbereiten. „Aber dafür müssen wir nicht die Maßnahmen aus dem Infektionsschutzgesetz reaktivieren, die die letzte Welle schon nicht eindämmen konnten.“ Nötig seien etwa bessere Digitalisierung, kreativere Impfangebote und mehr Prävention in Behörden und Schulen.

Abgestimmter Plan

Lauterbach stellte ein baldiges Konzept in Aussicht. Er werde einen „Plan vorstellen, den ich auch mit dem Bundeskanzleramt sehr eng abgestimmt habe, wie man im Herbst die Pandemie managt“, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Das kürzlich geänderte Infektionsschutzgesetz läuft am 23. September aus.

Der Kampf gegen künftige Pandemien soll eines der Themen bei einem Treffen der Gesundheitsminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) an diesem Donnerstag und Freitag sein. Zusammen mit Experten und der Weltgesundheitsorganisation sei ein Vorschlag entwickelt worden, wie man international schneller reagieren könne, sagte Lauterbach. Es gehe unter anderem um das Vorgehen bei Ausbrüchen und internationale Zusammenarbeit in einem Netzwerk von Wissenschaftlern. Deutschland hat in diesem Jahr den Vorsitz der G7-Gruppe, zu der auch die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan gehören.

Lauterbach sagte, dass der Klimawandel zusehends gesundheitliche Folgen habe und auch neue Pandemien wahrscheinlicher mache. Thema der G7-Minister soll zudem der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen sein. Es drohe, dass klassische Infektionskrankheiten nicht behandelt werden könnten, wenn Antibiotika nicht mehr wirkten.

© dpa-infocom, dpa:220518-99-341387/2

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