Hiobsbotschaft für das Theater Ansbach: Aufgrund von Mängeln im Brandschutz ist das Große Haus von der Stadt mit sofortiger Wirkung geschlossen worden. Bis zur Behebung der Defizite können dort keine Aufführungen stattfinden. Ein Zeitplan, wie lange sich die Arbeiten hinziehen können, besteht aktuell noch nicht.
Mit wie vielen Problemen hatte Intendant Axel Krauße in der jüngeren Vergangenheit nicht schon zu kämpfen: Nach der coronabedingten Flaute drangen die latent vorherrschenden finanziellen Probleme des Theaters in den Vordergrund. Erst nach zähen Diskussionen stimmte der Stadtrat im Vorjahr mehrheitlich dafür, das Defizit des Theaters auszugleichen und das Budget sogar leicht anzuheben.
Nun wurde am Montagmittag die nächste Schock-Nachricht offiziell, die noch weite Kreise ziehen könnte: „Bei einer routinemäßigen Überprüfung des Brandschutzkonzeptes für das Theater Ansbach wurde im Großen Haus dringender Handlungsbedarf festgestellt“, teilt die Stadt in einer Pressemitteilung mit.
Warum diese „Routine“ die Mängel erst jetzt zu Tage förderte, konnte Anne Ziegler vom Geschäftsbereich Oberbürgermeister gestern noch nicht abschließend ausführen. Auch Intendant Krauße rätselte: „Ich wunder mich schon, warum das 23 Jahre lang nicht aufgefallen ist.“
Klar sind aber zumindest die Mängel, die im Borkholder-Haus entdeckt wurden. „Es wurde eine abweichende Bauausführung im Doppelboden unter dem Gestühl festgestellt, die ursächlich für eine Untersagung der Nutzung ist, da es ansonsten zu einer größeren Brandausbreitung kommen könnte“, schreibt die Stadt und erklärt als Konsequenz: „Daher kann das Große Haus bis zur Behebung dieser Mängel nicht mehr genutzt werden.“
Oberbürgermeister Thomas Deffner nannte die Entscheidung, das Große Haus aus Sicherheitsgründen mit sofortiger Wirkung zu schließen, „bitter, aber unumgänglich“. Deffner zufolge soll die Sicherheit in dem der Stadt gehörenden Gebäude „schnellstmöglich wiederhergestellt werden“. Was das im Klartext für das jüngste Stadttheater Bayerns bedeutet, konnte noch niemand sagen.
„Der Umfang der nötigen Eingriffe und der zeitliche Rahmen werden derzeit ermittelt.“ Es werde „mit Hochdruck“ daran gearbeitet, Lösungen für die Beseitigung der Defizite zu finden. Entsprechend soll die Freigabe des Großen Hauses „sobald wie möglich“ erfolgen.
„Ich hoffe, möglichst zeitnah eine Aussage zu erhalten, wie es weitergeht“, meinte Krauße auf Nachfrage der FLZ. „Eine Hiobsbotschaft“ bleibt es aber so oder so für die gebeutelten Theatermacher. „Die Nachricht hat uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen“, erklärte Heribert Schmidt, Vorsitzender der Theater-Genossenschaft, der am vergangenen Freitag wie Axel Krauße eilig ins Bauamt gerufen worden war. Die Vorstellung der „Billy-Joel-Story“ am Samstag wurde nur erlaubt, weil die Feuerwehr spontan mit einem Sondertrupp angerückt und die Sicherheit damit gewährleistet war.
Doch wie geht es nun weiter? „Der Umfang der nötigen Eingriffe und der zeitliche Rahmen werden derzeit ermittelt“, schreibt die Stadt und bleibt damit maximal vage. Nachvollziehbar, denn die Möglichkeiten reichen von einer kleinen Lösung wie der nachträglichen Installation einer zusätzlichen Brandmeldeanlage bis hin zu einem Umbau des kompletten Saales. „Da müsste dann alles raus, da reden wir von einem Jahr“, malte Schmidt ein düsteres Szenario: „Dann stehen wir am Schlauch.“
Bei der Renovierung des Borkholder-Hauses vor mehr als zwei Jahrzehnten war entgegen dem Bauplan ein Zwischenboden auf das vorhandene Parkett eingezogen worden. Darauf wurde dann der neue Holzboden verlegt. Von Brandschutz-Experten wird jener Zwischenboden jedoch als sehr risikoreich eingestuft. „Das soll wie ein Brandbeschleuniger wirken“, erklärte Schmidt.
Als „Glück im Unglück“ stuft Intendant Krauße die kurzfristigen Auswirkungen ein. Die Premiere von „Shockheaded Peter“ musste wegen mehrerer Erkrankungen schon vor der Zwangsschließung verschoben werden. Für das ab 16. März angesetzte Stück „Die Unterrichtsstunde“ war ohnehin die Hochschule als Spielstätte vorgesehen. Erst am 6. April sollte mit „Antigone“ wieder eine Premiere im Großen Haus stattfinden – eine Tragödie, wie passend.