Botschafter Mittelfrankens in der französischen Partnerregion | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.05.2024 11:00

Botschafter Mittelfrankens in der französischen Partnerregion

Montmorillon ist eine der vielen Gemeinden voller historischer Bauwerke auf der Tour. (Foto: Privat)
Montmorillon ist eine der vielen Gemeinden voller historischer Bauwerke auf der Tour. (Foto: Privat)
Montmorillon ist eine der vielen Gemeinden voller historischer Bauwerke auf der Tour. (Foto: Privat)

Bei einer Radtour des Bezirks rollen eine Frau und acht Männer durch Nouvelle-Aquitaine. Beim Start begleitete sie die deutsche Generalkonsulin in Bordeaux. Organisator ist Christian Jechnerer aus Herrieden.

Der Auftakt am Sonntag in Bordeaux zeigte die politische Bedeutung der Tour. Die Radler aus Franken wurden von der deutschen Generalkonsulin Stefanie Zeidler begrüßt. Sie bekam nicht nur ein offizielles Trikot des Teams geschenkt, sondern streifte es sich über und radelte die ersten Kilometer mit.

Dann ging es an der Gavonne entlang gen Norden auf die rund 1500 Kilometer lange Schleife durch Nouvelle-Aquitaine. An zwölf Tagen wird gefahren, es gibt nur einen Ruhetag. Die Etappen betragen zwischen 83 und 175 Kilometer.

Über Jahrzehnte hatte der Bezirk Mittelfranken offizielle Verbindungen in das Limousin. Als diese Region im Jahr 2016 bei einer Gebietsreform im Nachbarland in der neuen Großregion Nouvelle-Aquitaine aufging, herrschte lange Unsicherheit. Die bange Frage: Was bedeutet das für die gewachsenen Verbindungen zwischen über 30 Gemeinden?

Die Pandemie vergrößerte die Unsicherheit, doch dann nahm die Hängepartie ein glückliches Ende. Die alten Partnerschaften blieben. Und eine neue kam dazu, zwischen Mittelfranken und der jetzt größten Region in Frankreich. Nouvelle-Aquitaine deckt dessen kompletten Südwesten am Atlantik ab, ist fast zwölfmal so groß wie Mittelfranken und hat über drei Mal so viele Einwohner.


Wir bringen Deutsche und Franzosen zusammen

Christian Jechnerer

Die richtige Zeit, sich mal zu zeigen, dachte sich Christian Jechnerer aus Herrieden (Landkreis Ansbach). Der Studiendirektor unterrichtet am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen und hat als begeisterter Radsportler schon zahlreiche Touren nach Frankreich für Schüler und Erwachsene organisiert.

„Es ist schön zu sehen, wie der Radsport verbindet. Zum einen bringt man Menschen bei uns zusammen. Und wir bringen Deutsche und Franzosen zusammen. Wir werden wahrgenommen“, sagt der 55-Jährige. Dazu tragen auch die eigens für dieses Projekt gefertigten Trikots bei, die schon alleine für Aufsehen entlang der Strecke sorgen.

Radsport hat im Nachbarland einen enormen Stellenwert, was sich nicht nur bei der alljährlichen Tour de France zeigt. Es gibt unzählige Aktive. Jechnerer hat seit seiner Studienzeit in Limoges viele Kontakte ins Limousin. „Wir werden in mehreren Departements im Rathaus oder unterwegs empfangen. Teilweise werden uns Radsportvereine auf einzelnen Etappen begleiten. So schlagen wir Brücken zwischen Deutschland und Frankreich. Und jetzt mit der Nouvelle-Aquitaine, um dort längerfristig die Partnerschaft zu befruchten.“


Begegnungen sind gerade in diesen Zeiten sehr wichtig.

Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster

„Diese Fahrt ist für den Bezirk Mittelfranken ein Aushängeschild“, sagt Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster. „Wir stehen zu Europa.“ Für den CSU-Politiker ist dies nicht nur eine historische Verpflichtung aus der leidvollen Vergangenheit, sondern auch ein familiäres Erbe. Seine Mutter ist Französin und kam als Kind nach Nürnberg. „Begegnungen sind gerade in diesen Zeiten sehr wichtig, in denen manche fragen, was wir von Europa haben. Ich antworte darauf: Frieden und Freiheit.“

Nur durch die gewachsene Freundschaft mit Frankreich sei nach den zwei Weltkriegen eine lange Epoche gefolgt, die neben wirtschaftlicher Stärke und Wohlstand den Fall der innereuropäischen Grenzen erst ermöglicht habe, ist Forster überzeugt. Für den Bezirk Mittelfranken sei deshalb neben den Verbindungen in die Nouvelle-Aquitaine auch die Partnerschaft mit der polnischen Region Pommern eine unverzichtbare Aufgabe, betont der Bezirkstagspräsident.


Ich bin gespannt auf die Erzählungen.

Sylvie Feja, Partnerschaftsbeauftragte des Bezirks

„Die strahlenden sympathischen Sportler verdienen unsere volle Bewunderung“, meint Sylvie Feja, Partnerschaftsbeauftragte des Bezirks. „Das werden auch die Menschen denken, die die Gruppe treffen. Das Ziel ist ja auch, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und von unserer Regionalpartnerschaft zu erzählen.“ Die Radler aus Mittelfranken werden vielen im Gedächtnis bleiben, ist Feja überzeugt. „Ich bin gespannt auf die Erzählungen, auf die Bilder und auf die nachträgliche Wirkung.“

Radtour des Bezirks Mittelfranken

Rollende Botschafter

Bei der Radtour des Bezirks durch die Partnerregion Nouvelle-Aquitaine tragen eine Frau und acht Männer die Farben Mittelfrankens durch viele Gemeinden.

  • Die Tour hat Christian Jechnerer aus Herrieden organisiert. Er wurde in der Region unter anderem als Sportler bei den Herrieder Aquathleten bekannt und stellt seit 2013 immer wieder Radfernfahrten zusammen. Nicht nur für den Bezirk, sondern auch für P-Seminare an seiner Schule, dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen.
  • Emre Yedibela hat schon vier Fahrten nach Frankreich mitgemacht. „Man lernt etwas fürs Leben und tut etwas für seine Gesundheit“, sagt der Medizinstudent. Er war noch als Schüler bei einem Projekt seines Französisch-Lehrers Christian Jechnerer dabei und weiß seitdem: „Es gibt viele interessante Gespräche. Und man wächst über sich hinaus.“ Für den 26-Jährigen ist die Tour auch eine sportliche Herausforderung. „Ich will mich selbst testen, wozu ich in der Lage bin.“
  • Mit ihm war sein damaliger Klassenkamerad Felix Deinlein auf den ersten Touren. „Das Erlebnis hat mich sehr geprägt und es hat mich zum Radfahren gebracht. In Gruppen zu fahren finde ich sehr cool.“ Der 26-Jährige studiert ebenfalls Medizin, genauso wie die einzige Frau in der Gruppe.
  • Luisa Kuhn war als 14-Jährige schon in Paris und hat seitdem immer wieder Urlaub bei den westlichen Nachbarn gemacht. „Aber ich bin noch nie in Frankreich Rad gefahren“, sagt die 29-Jährige. „Ich freue mich darauf, das Land auf dem Sattel ganz anders zu erleben und erkunden.“ Für die frühere Triathletin sind neben dem Sport die Ortskenntnisse von Christian Jechnerer ein zusätzlicher Aspekt gewesen, sich der Gruppe anzuschließen. „Es ist sehr angenehm, dass jemand dabei ist, der sich so gut auskennt.“
  • Die hohe medizinische Kompetenz verstärkt der Notfallsanitäter Ralf Semmlinger. „Ich bin schon lange Jahre Fahrradfan. Mein Nachbar Christian Jechnerer hat mich zum Rennradsport gebracht. Das hat mich schnell begeistert.“ Der 45-Jährige freut sich auf viel Neues. „Man kann sich auspowern und lernt Leute kennen. In Frankreich war ich noch nicht.“
  • Jonas Reinholz ist im Sattel und im Nachbarland dagegen fast schon ein alter Hase, obwohl er mit 23 Jahren der Jüngste in der Gruppe ist. Er war als Schüler bei einer P-Seminar-Fahrt vor sieben Jahren in der Normandie. „Ich mache es auch für die sportliche Herausforderung. Jetzt kann ich mir noch zwei Wochen Zeit nehmen für eine größere Tour.“ Wenn er seinen Master im Maschinenbau bald abgeschlossen hat, wird die Zeit knapp, ist er sicher.
  • Eric Langel sind viele Regionen in Frankreich vertraut. Mittelfrankens Partnerregion ist noch ein weißer Fleck für den Französisch-Lehrer aus Spardorf. „Diese Ecke von Frankreich kenne ich noch nicht.“ Und auch das Rennrad ist unbekanntes Terrain. Für den 30-Jährigen waren deshalb die gemeinsamen Trainingsfahrten, die an verschiedenen Sonntagen jeweils am Ansbacher Bezirksrathaus begannen und zuletzt über 130 Kilometer durch den Landkreis Ansbach führten, besonders wertvoll.
  • Dr. Robert Schneider ist bei der Radsportgemeischaft Ansbach aktiv. „Ich fahr gern längere Strecken Rennrad und in einer netten Gruppe macht es noch mehr Spaß. Ich bin absolut begeistert von diesem Team.“ Vor gut drei Jahrzehnten fuhr er auf zwei Rädern von München nach Cap Ferret. Seitdem ist der Chirurg ein Freund des Nachbarlands. „Frankreich ist einfach sehr schön, gutes Essen, nette Leute”, sagt der 62-Jährige. „Das hat mich gereizt.“
  • Für Wolf Dieter Enser hat die Tour noch eine zusätzliche Ebene. Denn der 62-Jährige ist stellvertretender Verwaltungsleiter und Pressesprecher des Bezirks. „Für mich ist der Reiz, die Partnerregion des Bezirks Mittelfanken auf diese Art und Weise kennenzulernen.“ Die Gemeinden im Limousin kennt er von vielen Reisen, Nouvelle-Aquitaine in seiner ganzen Größe noch nicht, auch wenn er schon an Radtouren mit der RSG Ansbach in die Partnerstadt Anglet und nach Bordeaux teilgenommen hat. Sie hatten anhaltende Wirkung für Wolf Dieter Enser. „Seitdem fahr ich auch privat viel Rennrad.“

Mit zwei Fahrzeugen ging es von Ansbach nach Bordeaux, der Hauptstadt der größten französischen Region Nouvelle-Aquitaine. Etappenorte sind Royan, La Rochelle, Poitiers, Guéret, Tulle, Limoges, Angouleme, Perigueux, Agen, Pau und Mont de Marsan. Am 2. Juni ist die Rückfahrt.

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