Bei einer Radtour des Bezirks rollen eine Frau und acht Männer durch Nouvelle-Aquitaine. Beim Start begleitete sie die deutsche Generalkonsulin in Bordeaux. Organisator ist Christian Jechnerer aus Herrieden.
Der Auftakt am Sonntag in Bordeaux zeigte die politische Bedeutung der Tour. Die Radler aus Franken wurden von der deutschen Generalkonsulin Stefanie Zeidler begrüßt. Sie bekam nicht nur ein offizielles Trikot des Teams geschenkt, sondern streifte es sich über und radelte die ersten Kilometer mit.
Dann ging es an der Gavonne entlang gen Norden auf die rund 1500 Kilometer lange Schleife durch Nouvelle-Aquitaine. An zwölf Tagen wird gefahren, es gibt nur einen Ruhetag. Die Etappen betragen zwischen 83 und 175 Kilometer.
Über Jahrzehnte hatte der Bezirk Mittelfranken offizielle Verbindungen in das Limousin. Als diese Region im Jahr 2016 bei einer Gebietsreform im Nachbarland in der neuen Großregion Nouvelle-Aquitaine aufging, herrschte lange Unsicherheit. Die bange Frage: Was bedeutet das für die gewachsenen Verbindungen zwischen über 30 Gemeinden?
Die Pandemie vergrößerte die Unsicherheit, doch dann nahm die Hängepartie ein glückliches Ende. Die alten Partnerschaften blieben. Und eine neue kam dazu, zwischen Mittelfranken und der jetzt größten Region in Frankreich. Nouvelle-Aquitaine deckt dessen kompletten Südwesten am Atlantik ab, ist fast zwölfmal so groß wie Mittelfranken und hat über drei Mal so viele Einwohner.
Wir bringen Deutsche und Franzosen zusammen
Die richtige Zeit, sich mal zu zeigen, dachte sich Christian Jechnerer aus Herrieden (Landkreis Ansbach). Der Studiendirektor unterrichtet am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erlangen und hat als begeisterter Radsportler schon zahlreiche Touren nach Frankreich für Schüler und Erwachsene organisiert.
„Es ist schön zu sehen, wie der Radsport verbindet. Zum einen bringt man Menschen bei uns zusammen. Und wir bringen Deutsche und Franzosen zusammen. Wir werden wahrgenommen“, sagt der 55-Jährige. Dazu tragen auch die eigens für dieses Projekt gefertigten Trikots bei, die schon alleine für Aufsehen entlang der Strecke sorgen.
Radsport hat im Nachbarland einen enormen Stellenwert, was sich nicht nur bei der alljährlichen Tour de France zeigt. Es gibt unzählige Aktive. Jechnerer hat seit seiner Studienzeit in Limoges viele Kontakte ins Limousin. „Wir werden in mehreren Departements im Rathaus oder unterwegs empfangen. Teilweise werden uns Radsportvereine auf einzelnen Etappen begleiten. So schlagen wir Brücken zwischen Deutschland und Frankreich. Und jetzt mit der Nouvelle-Aquitaine, um dort längerfristig die Partnerschaft zu befruchten.“
Begegnungen sind gerade in diesen Zeiten sehr wichtig.
„Diese Fahrt ist für den Bezirk Mittelfranken ein Aushängeschild“, sagt Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster. „Wir stehen zu Europa.“ Für den CSU-Politiker ist dies nicht nur eine historische Verpflichtung aus der leidvollen Vergangenheit, sondern auch ein familiäres Erbe. Seine Mutter ist Französin und kam als Kind nach Nürnberg. „Begegnungen sind gerade in diesen Zeiten sehr wichtig, in denen manche fragen, was wir von Europa haben. Ich antworte darauf: Frieden und Freiheit.“
Nur durch die gewachsene Freundschaft mit Frankreich sei nach den zwei Weltkriegen eine lange Epoche gefolgt, die neben wirtschaftlicher Stärke und Wohlstand den Fall der innereuropäischen Grenzen erst ermöglicht habe, ist Forster überzeugt. Für den Bezirk Mittelfranken sei deshalb neben den Verbindungen in die Nouvelle-Aquitaine auch die Partnerschaft mit der polnischen Region Pommern eine unverzichtbare Aufgabe, betont der Bezirkstagspräsident.
Ich bin gespannt auf die Erzählungen.
„Die strahlenden sympathischen Sportler verdienen unsere volle Bewunderung“, meint Sylvie Feja, Partnerschaftsbeauftragte des Bezirks. „Das werden auch die Menschen denken, die die Gruppe treffen. Das Ziel ist ja auch, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und von unserer Regionalpartnerschaft zu erzählen.“ Die Radler aus Mittelfranken werden vielen im Gedächtnis bleiben, ist Feja überzeugt. „Ich bin gespannt auf die Erzählungen, auf die Bilder und auf die nachträgliche Wirkung.“
Bei der Radtour des Bezirks durch die Partnerregion Nouvelle-Aquitaine tragen eine Frau und acht Männer die Farben Mittelfrankens durch viele Gemeinden.
Mit zwei Fahrzeugen ging es von Ansbach nach Bordeaux, der Hauptstadt der größten französischen Region Nouvelle-Aquitaine. Etappenorte sind Royan, La Rochelle, Poitiers, Guéret, Tulle, Limoges, Angouleme, Perigueux, Agen, Pau und Mont de Marsan. Am 2. Juni ist die Rückfahrt.