Mit einer Stadtführung durch das Jüdische Rothenburg ist der Hauptteil der jüdischen Woche am Sonntag zu Ende gegangen. Der evangelische Pfarrer Dr. Oliver Gußmann hatte zu dem Rundgang eingeladen.
Es war die gelungene Abrundung einer Woche voller Vorträge, Diskussionsrunden, Buchvorstellungen und Workshops, die der Hamburger Professor Dr. Jan Philipp Reemtsma eine Woche zuvor mit dem Thema „Antisemitismus – Was gibt es da zu erklären?“ eröffnet hatte.
Der bekannte Name zog Publikum an. „Das war die bestbesuchte Veranstaltung“, sagte Gußmann. Zufrieden war er aber auch mit dem Rest des Programms. Zunehmend kämen Interessierte aus anderen Städten extra für die Veranstaltungsreihe nach Rothenburg. Für die Organisation hat er ein großes Unterstützerteam, in dem „jeder seine Schwerpunkte hat“. Jeder Baustein sei wertvoll für das Gelingen einer solchen Woche.
Rund 45 Interessierte hatten sich für Gußmanns Stadtführung versammelt. Dabei ging es zu den Orten in der Stadt, die von Bedeutung für die jüdische Geschichte waren oder noch sind. Die erste Station: der Kapellenplatz, wo einst die Synagoge stand und die erste jüdische Gemeinde im 13. Jahrhundert wohnte. Das war auch die Zeit, in der der bekannte Rabbi Meir ben Baruch in Rothenburg lebte und lehrte. Über 1000 Responsen hat er verfasst – das sind Antworten auf Fragen aus jüdischen Gemeinden, die er mit mit Hilfe des Talmuds formuliert hat.
Weiter ging es zum Rabbi-Meir-Gärtchen gleich neben dem Judentanzhaus am Weißen Turm. Dass der Rabbi hier tatsächlich Blumen gegossen und Unkraut gejätet hat, ist Gußmann zufolge eher unwahrscheinlich und einem romantisierten Blick auf die Zeit geschuldet.
Er wies jedoch auf die Grabsteine hin, die in der Mauer um das Gärtchen verbaut sind. Die standen am damaligen jüdischen Friedhof am heutigen Schrannenplatz. Nächste Station: die Judengasse 10. Und damit Bayerns ältester Mikwe. Das rituelle jüdische Tauchbad wurde kürzlich entdeckt und verleiht dem Ort eine besondere Bedeutung.
Denn die Waschungen spielen im jüdischen Glauben eine zentrale Rolle, erläuterte Gußmann. Es gehe dabei nicht darum, Schmutz abzuwaschen, sondern rein zu werden – „im Sinne von in Ordnung werden“. Zu einem besonderen Sinneseindruck machte den Halt im Haus Nummer 10 der Chor „Klangfarben“. Die Sängerinnen und Sänger stimmten unter der Leitung von Uschi Memhardt ein besinnliches „Schalom Chaverim“ an.
Und auch für die nächste Station, dem Burggarten, hatten sie ein Stück vorbereitet. Hier brachten sie „Donna Donna“ zu Gehör und gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Führung die Gelegenheit, noch einmal über die Ausführungen von Pfarrer Gußmann nachzudenken. Denn der hatte am Pogrom-Gedenkstein über den Ritter Rintfleisch und die Hostienschändung erzählt: Juden hätten Hostien gestohlen und sie in einem Mörser zerstampft, bis Blut aus ihnen floss. Nach dieser Lüge des Ritters begann in Franken eine heftige Phase der Judenverfolgung, bei der auch in Rothenburg zahlreiche Menschen ermordet wurden.
Das Gebäude in der Herrngasse, Ecke Heringsbronnengässchen, war früher einmal eine Synagoge gewesen, erzählte Gußmann an der nächsten Station. Diese Phase der jüdischen Gemeinde in Rothenburg begann um das Jahr 1861, bis 1912 waren es rund hundert jüdische Einwohner.
Nach Jahren der Hetze und Gewalt sank ihre Zahl bis 1933 wieder auf 45 Personen. Das Ende für die jüdische Gemeinde kam am 22. Oktober 1938, als die letzten 17 Juden aus der Stadt verwiesen wurden.
Drei Ereignisse stehen nun noch auf dem Programm: eine Tagung im Wildbad zum Rothenburger Prediger Johannes Teuschlein am Samstag, 26. Oktober, eine Exkursion nach Fürth ins Jüdische Museum am Sonntag, 27. Oktober; und eine Filmvorführung der Rothenburger Dokumentarfilmgruppe am Donnerstag, 31. Oktober.
Und auch im kommenden Jahr soll es wieder eine jüdische Woche geben. Der Termin steht bereits fest: 15. bis 26. Oktober 2025. Das Konzept führe man weiter, so Gußmann. Es werde zum Beispiel wieder ein Konzert geben, einen Tanz-Workshop und verschiedene Vorträge – unter anderem zum Thema Antisemitismus. „Denn wir müssen alles dafür tun, den zu vermeiden.“