Nur wenige Wochen steht er geschmückt in den Häusern, viele Jahre Arbeit stecken jedoch in ihm: der Weihnachtsbaum. Die FLZ hat sich bei einigen Christbaum-Produzenten im Landkreis umgehört. Welche Herausforderungen haben sie? Wie sieht ihre Vorweihnachtszeit aus? Und wie viel Arbeit steckt eigentlich in einem Baum?
Dicht gewachsen, etwa zwei Meter hoch und schlank soll er sein, der perfekte Baum. So wachsen sie aber nicht von selbst. „Da steckt jede Menge Arbeit drin“, weiß Christopher Sturm. Der 24-Jährige aus dem Heilsbronner Ortsteil Seitendorf baut gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder Weihnachtsbäume an.
Die Arbeit beginnt beim Pflanzen der jungen Bäume. In den ersten Jahren muss der Boden um die Bäume gehackt werden, mehrmals im Jahr muss die Familie Sturm außerdem das Gras zwischen den Bäumen mähen.
Es ist viel Handarbeit: Jahr für Jahr werden junge Triebe mit der Hand gekürzt. Die Spitzen, im Fachjargon die Terminaltriebe, werden eingeritzt. „So wird der Saftstrom unterbrochen, damit die Spitzen nicht zu lang werden“, erklärt Sturm, der aktuell seinen Landwirtschaftsmeister macht.
„Ich besuche jeden einzelnen Baum 38 Mal, bevor er nach etwa acht bis zehn Jahren bei einem Kunden steht“, hat Patrick Meßthaler aus Wolframs-Eschenbach ausgerechnet. Die Liste der Arbeits- und Pflegeschritte ist also lang. Unterstützung hat er sich von tierischen Helfern geholt: Shropshire-Schafe fressen das Gras, das zwischen den Bäumen am Feld wächst.
Auf Schafe setzt auch Walter Neuberger aus Görchsheim bei Leutershausen bereits seit 20 Jahren. Seit 35 Jahren verkauft er Bäume. Der beliebteste Baum ist die Nordmanntanne. Bei den Christbäumen kann also eher nicht, wie sonst beim Waldumbau, auf verschiedene oder resistentere Arten gesetzt werden. Das kann zu Problemen führen. „Die Trockenheit macht uns Ärger“, erzählt Neuberger. Fehlt den frisch gepflanzten Bäumen das Wasser, kommt es zu Ausfällen. In den letzten Jahren wurde das ein immer größeres Problem, berichten alle drei Christbaum-Produzenten. Es hilft, die Bäume im Herbst zu pflanzen, dann können sie von der „Winterfeuchte“ profitieren, weiß Patrick Meßthaler.
Später Frost, etwa im Mai, stellt auch eine Gefahr dar. Die erfrorenen Triebe werden braun und müssen abgezupft werden. „Das wirft die Bäume um zwei Jahre zurück“, sagt Christopher Sturm. „Man muss schon viel in Vorleistung gehen“, fasst Sturm den finanziellen Aufwand zusammen. Die Christbaum-Produzenten bekommen die Preissteigerungen bei Benzin und Düngemittel zu spüren. Der Lohn für die Mitarbeiter steigt auch. Zuverlässiges und geschultes Personal für die Arbeit auf dem Feld zu gewinnen, ist teils sehr schwierig, erzählt Christopher Sturm. Bei Walter Neuberger und Patrick Meßthaler packen hauptsächlich Freunde und Verwandte an.
Dennoch sind die Preise in diesem Jahr überall ein wenig gestiegen. Die Kunden haben dafür Verständnis, so der Tenor. In Seitendorf und Görchsheim gibt es unter anderem günstigere B-Ware. Auch kleinere Bäume seien ein leichter Trend, berichtet Walter Neuberger.
Kein Baum sei keine Option für die meisten, sagt Christopher Sturm. Der Weihnachtsbaum ist Tradition. Er sorgt für einen guten Geruch und lässt die Weihnachtsstimmung in das Haus einziehen. Das Wohnzimmer wird gemütlicher. Auf der Seite der Produzenten bedeutet das aber viel Stress. Schon Ende August beginnt Familie Sturm, die Preisschilder an die Bäume anzubringen. Im November steht dann für alle Produzenten die Baumfällung an. Vier Wochen vor Weihnachten beginnt der Verkauf.
„Die stade Zeit beginnt nach Weihnachten“, erzählt Walter Neubauer schmunzelnd. Er verkauft auch Weihnachtsgänse und hat deshalb eine Doppelbelastung. Aber der Landwirt möchte das für seine Kunden weiter machen, solange er kann. Seine Kinder werden den Weihnachtsbaumanbau nicht fortführen. Der 34-jährige Patrick Meßthaler ist ebenfalls mit großem Eifer dabei. Bereits als Kind hatte er den Traum, Weihnachtsbäume zu verkaufen. Kleiner geworden ist dieser Wunsch nicht.
Christopher Sturm möchte den gemeinsamen Betrieb mit seinem Vater und Bruder ausbauen. Vor 35 Jahren hat sein Großvater mit dem Verkauf angefangen. Das Ziel ist es jetzt, die Fläche ungefähr zu verdoppeln. Die Leidenschaft für schöne Christbäume aus der Region soll also weiter bestehen.