Sein 100-jähriges Bestehen feierte das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken (ALE) in Ansbach mit einem groß angelegten Tag der offenen Tür.
Zu sehen war das auf dem Außengelände, wo unter anderem auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach, die Bayerische Drohnenakademie der Hochschule Ansbach, das Bayerische Rote Kreuz und das Fränkische Seenland vertreten waren. Für Erwachsene boten sie Informationen und Gespräche an, für die Kleinen gab es Mitmachaktionen: Mal selbst bei einer Vermessung dabei sein, sich am Spinnrad ausprobieren oder ein Feuerwehrauto samt Ausrüstung aus nächster Nähe bestaunen – all das war möglich.
Neben den Aktionen auf dem Außengelände bot das ALE, das unter anderem für Gemeindeentwicklung und Dorferneuerung zuständig ist, auch ein Programm im Inneren der Behörde. Auf drei Stockwerken verteilt gab es Workshops, Ausstellungen, Vorträge und kleinere Aktionen.
Unter anderem enthüllte Behördenleiter Wolfgang Neukirchner ein Kunstprojekt der zehnten Klasse des Gymnasium Carolinum Ansbach. Dieses hatten die Schüler anlässlich des Jubiläums entworfen. Der Titel: „Neu-Ordnung“.
Eingeladen, sich die Behörde mal hautnah anzuschauen, waren die Bürger Ansbachs und der Gemeinden im Einzugsgebiet Mittelfranken: „Die Menschen, deren Steuergeld wir hier ausgeben, haben das Recht, sich das einmal selbst anzuschauen“, erklärte Neukirchner. Auch wolle man das Jubiläum mit denen feiern, mit denen man am meisten zusammenarbeite: mit den Gemeinden. „Von Vertrauen und Dialog geprägt und auf Augenhöhe“ sei diese Zusammenarbeit, ergänzte er.
Hans Popp, Altbürgermeister von Merkendorf, gab Einblicke in die Ländliche Entwicklung aus Sicht der Kommunen. Für wichtig hält er die Beteiligung der Bürger, wenn es zum Beispiel um Dorferneuerungen gehe. Popp berichtete außerdem von einem Motivationseffekt und sprach von einem dynamischen Prozess: Nachbarn und Anwohner fänden die erneuerten Strukturen schön und zögen mit privaten Sanierungsmaßnahmen nach. Zudem bekräftigte er die Verknüpfung von Dorferneuerung und Energiewende: Von dem Wärmenetz, das in der Vergangenheit in sechs Orten verlegt wurde, könne heute profitiert werden.
Im Rückblick auf 100 Jahre gab es für das ALE vor allem zwei Herausforderungen: Die Flurbereinigung, also das Zusammenlegen von Grundstücken und den Strukturwandel, der mit einem Rückgang der Zahl der Landwirte einhergeht.
Heute ist das ALE Geldgeber, sieht sich aber vor allem als Berater, der das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ nutzt. So gebe es zum Beispiel viel mehr Bürgerbeteiligung, bei der gemeinsam erörtert wird: Wo kommen wir als Gemeinde her? Wo sind wir? Und wo wollen wir mit unserer Gemeinde hin?
Und was passiert in den nächsten 100 Jahren? „Die Digitalisierung ist in aller Munde“, sagte Neukirchner, der selbst seit 32 Jahren am ALE ist. Diese wolle man fördern. Das zweite große Thema: Wasserknappheit. Bedingt durch den Klimawandel müsse das Wasser besser in den Städten und Dörfern gehalten werden. Was als Schwammstadt bekannt ist, adaptierte der Behördenleiter und sprach von „Schwammdörfern“. Weniger Flächenversiegelung und mehr Grünflächen sind aus seiner Sicht die Lösung: „Da bohren wir aber ein dickes Brett“, räumte er ein.