Schwerkranke, sterbende Menschen und ihre Angehörigen zu betreuen, erfordert Mitgefühl, aber auch Wissen, Haltung und die Fähigkeit, aktiv zuzuhören. Interessierte können sich auf diese verantwortungsvolle Aufgabe vorbereiten, indem sie eine Schulung für ehrenamtliche Hospizbegleiter besuchen
„Wir sind immer auf der Suche nach Menschen, die sich engagieren möchten“, erklärt Petra Tatsch vom Hospizverein Uffenheim. „Mit unseren Kursen wollen wir den Einstieg erleichtern und Berührungsängste abbauen.“ Wichtig sei ihr dabei ein Punkt besonders: „Die Teilnahme verpflichtet niemanden dazu, später tatsächlich Begleitungen zu übernehmen. Es geht zunächst darum, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ Der Kurs erstreckt sich über mehrere Monate. Insgesamt umfasst die Ausbildung 116 Unterrichtseinheiten Theorie sowie ein 20-stündiges Praktikum.
Die Organisatorinnen haben sich bewusst für ein berufsbegleitendes Modell entschieden: Einmal im Monat treffen sich derzeit die Teilnehmenden in Ansbach – freitags am Nachmittag und samstags ganztägig. „So können auch Berufstätige gut teilnehmen“, sagt Angelika Stegmayer vom Hospizverein Bad Windsheim. Den Auftakt bildete ein gemeinsames Einführungswochenende im Wildbad Rothenburg. Dort ging es nicht nur um die Geschichte der Hospizbewegung und rechtliche Grundlagen, sondern auch ums Kennenlernen. „Es ist schnell eine vertrauensvolle Atmosphäre entstanden“, berichtet Annette Lederer-Heer vom Hospizverein Ansbach. „Das ist wichtig, denn viele Themen gehen sehr in die Tiefe.“
Nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch für andere da sein.
Die Inhalte der Schulung reichen von Kommunikation und Gesprächsführung über palliative Versorgung bis hin zu ethischen Fragen, Spiritualität und Trauerarbeit. Auch Themen wie das familiäre Umfeld oder die Begleitung von Menschen mit Demenz werden behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Selbstfürsorge: „Wir vermitteln klar: Ich begleite empathisch, aber ich muss nicht mitleiden“, betont Stegmayer. „Nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch für andere da sein.“ Neben theoretischem Input wird viel praktisch gearbeitet. Gesprächssituationen werden mittels realistischen Handlungssituationen geübt, Erfahrungen in Kleingruppen ausgetauscht und unterschiedliche Lebensrealitäten beleuchtet. Beliebt sind Rollenspiele aus dem Improvisationstheater.
„Gerade das Üben hilft enorm“, sagt Tatsch. „Viele haben anfangs Angst, im Gespräch mit Sterbenden nicht die richtigen Worte zu finden.“ Eine Erkenntnis aus der Schulung sei deshalb besonders entlastend: „Es ist völlig in Ordnung, nicht auf alles eine Antwort zu haben. Ehrlichkeit zählt.“ Das begleitende Praktikum können sich die Teilnehmenden selbst organisieren, etwa in Pflegeeinrichtungen oder auf der Palliativstation. Ziel ist es, erste praktische Einblicke zu gewinnen und Sicherheit im Umgang mit schwerkranken Menschen zu entwickeln.
Die Schulung will mehr als nur Wissen vermitteln. „Es geht auch um die persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit“, sagt Lederer-Heer. „Und, eine hospizliche Haltung zu entwickeln.“ Diese Haltung zeigt sich vor allem in Achtsamkeit, Respekt und dem Wunsch, Menschen bis zuletzt ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen – ganz im Sinne des Hospizgedankens: Sterben gehört zum Leben dazu. Wer sich für die Ausbildung interessiert, sollte den direkten Kontakt zu dem wohnortnahen Hospizverein suchen. „Ein persönliches Gespräch hilft, offene Fragen zu klären und ein Gefühl für die Arbeit zu bekommen“, rät Stegmayer. Alle drei Hospizvereine haben Webseiten mit ausführlichen Informationen und Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern. Und selbst wer sich gegen eine spätere Begleitung entscheidet, nehme aus dem Kurs viel für das eigene Leben mit.
Weiterführende Informationen erteilen die Hospizvereine Ansbach unter hospizverein-ansbach.de, Bad Windsheim unter hospizverein-bad-windsheim.de oder Uffenheim unter hospizverein-uffenheim.de