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Veröffentlicht am 12.04.2023 17:02

Bayerische Fußball-Schiedsrichter bekommen mehr Geld

Auch auf Kreisebene soll das Engagement der Referees besser entlohnt werden. Hier waltet Schiedsrichterin Anna Frühwald bei der Kreisklassenpartie FC Oberndorf – FSV Stadeln U23 ihres Amtes. (Foto: Martin Rügner)
Auch auf Kreisebene soll das Engagement der Referees besser entlohnt werden. Hier waltet Schiedsrichterin Anna Frühwald bei der Kreisklassenpartie FC Oberndorf – FSV Stadeln U23 ihres Amtes. (Foto: Martin Rügner)
Auch auf Kreisebene soll das Engagement der Referees besser entlohnt werden. Hier waltet Schiedsrichterin Anna Frühwald bei der Kreisklassenpartie FC Oberndorf – FSV Stadeln U23 ihres Amtes. (Foto: Martin Rügner)

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sorgt sich um den Ruf seiner Schiedsrichter. Um ein besseres Image sowie einen wertschätzenden Umgang mit seinen Unparteiischen zu erzielen, hat er heuer das „Jahr der Schiris“ ausgerufen.

Dem Trend sinkender Schiedsrichter-Zahlen will auch der Bayerische Fußball-Verband (BFV) entgegenwirken und hat unter anderem angekündigt, die Spesen seiner Regelhüter anzuheben. Ab der neuen Spielzeit 2023/24 bekommen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter im Freistaat durchschnittlich 52,93 Euro statt bisher 33,62 Euro pro Spielleitung. Auch der Spesensatz für Assistentinnen und Assistenten wird im Mittel von 25,83 Euro auf 36,11 Euro angehoben.

Mehr Geld erhalten außerdem die für die Ausbildung und eine kontinuierliche Betreuung der Schiedsrichter wichtigen Beobachter, Coaches und „Paten“, die vor allem Neulinge bei ihren ersten Spielen unterstützen.

Meinungen der Vereine in Bayern eingeholt

Dem Beschluss des BFV-Vorstands vorausgegangen war ein bereits vor fünf Jahren angestoßener Prozess unter Miteinbeziehung der Vereine. Verbands-Schiedsrichterobmann Sven Laumer erklärt: „2018 haben wir im Rahmen unserer Kampagne ,Wir regeln das‘ bayernweit bei 23 Runden Tischen mit allen interessierten Vereinsvertretern über den Themenkomplex diskutiert. Das Ergebnis: Ja, die Leistungen der Unparteiischen werden nicht genug wertgeschätzt. Und ja, auch die Spesen müssen dringend angehoben werden.“

Im nun verabschiedeten Beschluss sind auch die Ergebnisse der im Januar und Februar 2023 vom Nürnberger Sportmarktforschungsunternehmen SLC Management durchgeführten Umfrage mit 2659 Teilnehmenden eingeflossen. Grünes Licht gab es bei einer Gegenstimme außerdem von den Mitgliedern der AG Finanzen, ein aus Vereinsmitarbeitern bestehendes Gremium, das der BFV seit 2017 bei allen Finanzfragen miteinbezieht.

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Es ist und bleibt schwierig, Neulinge zu gewinnen und diese auch bei der Stange zu halten.

Günter Schuh

Günter Schuh aus Emskirchen ist Schiedsrichterobmann der Gruppe Nord im Fußballkreis Nürnberg/Frankenhöhe. Er findet diese Maßnahmen allesamt richtig: „Diese wurden in den vergangenen Jahren vorbereitet. Meiner Meinung nach hat es jetzt bis zur Entscheidungsfindung sogar etwas zu lange gedauert, denn die Schiedsrichter-Zahlen gehen ja zurück – auch bei uns.“ Aktuell sind auf der Frankenhöhe in der Gruppe Nord 165 Referees gemeldet. 120 davon pfeifen aktiv Spiele. „Es ist und bleibt schwierig, Neulinge zu gewinnen und diese auch bei der Stange zu halten“, berichtet Günter Schuh.

Aber es tut sich was – auch bei der Förderung. Auf dem 26. BFV-Verbandstag 2022 wurde ein Nachwuchsleistungszentrum für Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter eingeführt. NLZ-Leiter ist Josef Maier aus dem Verbands-Schiedsrichterausschuss. Ihm zur Seite stehen Christoph Stühler (Obmann der Schiedsrichtergruppe Forchheim) sowie der ehemals hochklassig pfeifende Schiedsrichter Steffen Brütting.

Seine Feuertaufe bestand das NLZ mit einem dreitägigen Lehrgang in Oberhaching, bei dem 19 Talente aus allen sieben bayerischen Bezirken teilnahmen – dabei wurden ausschließlich Unparteiische aus der Bezirksliga geschult.

„Es geht darum, dass wir intensiver sichten, welche Talente in Bayern das Potenzial haben, in den Profiligen Spiele zu leiten und diese frühzeitig zu fördern. Sie sollen zum Beispiel auch ganz gezielt schon in höheren Spielklassen eingesetzt und gecoacht werden. Am Ende geht es um eine höhere Durchlässigkeit und eine größere Dynamik in der Talentförderung“, erklärt Verbands-Schiedsrichterobmann Sven Laumer.

Nach der Pandemie außer Rand und Band

Die Sichtung erfolgt schon auf Kreisebene. „Fähige Neulinge empfehlen wir dem Bezirk und der meldet sie bei entsprechendem Talent an den Verband weiter“, lässt Gruppenobmann Schuh wissen. Er ist ein Mann der Basis und weiß nur zu gut, welche Fallstricke es für Schiedsrichter-Neulinge gibt: „Das Problem ist das Umfeld bei den Vereinen. Manche Zuschauer neigen zu Beschimpfungen der Unparteiischen. Diese haben nach der Pandemie sogar noch zugenommen – wie ich beobachtet habe. Da hat sich wohl zu viel innerer Druck angestaut. Klar, Emotionen gehören zum Fußball dazu, Schiedsrichter-Beleidigungen überschreiten aber die Grenze. Wenn dann ein junger Schiri kein dickes Fell hat, verliert er schnell wieder die Lust an der Pfeiferei.“

Eine Argumentation, der sich BFV-Präsident Christoph Kern anschließt: „Die Anpassung der Spesen kann nur der Anfang sein, denn insbesondere der Umgang und die Anerkennung der Leistungen der Unparteiischen spielt bei Gewinnung und Erhalt neuer Schiedsrichter eine entscheidende Rolle – nicht nur das Geld. Es kann nicht sein, dass junge Schiedsrichter nach der erfolgreichen Ausbildung ihr Hobby vor allem deshalb frustriert aufgeben, weil sie es leid sind, sich regelmäßig den Diffamierungen auf unseren Sportplätzen auszusetzen.“

Bei Nichterfüllung der Sollzahl wird es teuer

Ebenfalls überarbeitet vom Verband wurde die Ausfallgebühr bei Nicht-Erfüllung der Schiedsrichter-Sollzahl. Der zufolge müssen Vereine gemäß des Solidaritätsprinzips eine bestimmte Anzahl an Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern – je nachdem wie viele Teams am Spielbetrieb teilnehmen – stellen. Der Kostenersatz pro fehlendem Referee beträgt künftig einheitlich 120 Euro, unabhängig von der Spielklasse.

Neu ist zudem, dass Vereine für Herren-, Frauen- sowie Juniorinnen-und Junioren-Mannschaften, bei denen ein Schiedsrichter-Gespann zum Einsatz kommt, künftig entsprechend pro Team auch drei Unparteiische stellen müssen. Gefordert sind also in erster Linie auch die Vereine, für entsprechenden Schiri-Nachwuchs zu sorgen.

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