Der Bad Windsheimer Geselligkeitsverein Frohsinn mit Trachtengruppe hat heuer allen Grund zum Feiern. Gleich mehrere Jubiläen stehen an. Am Sonntag, 1. Juni, ist deshalb ein Hoffest mit einem satten Programm am Frohsinnhof in Oberntief geplant.
Der Verein Frohsinn selbst blickt dabei auf 150 Jahre zurück. Seit 50 Jahren gibt es zudem die zugehörige Trachtengruppe. Seit 40 Jahren besteht die Freundschaft mit den Eglantinos aus Frankreich. Und zu guter Letzt: Seit ebenfalls vier Jahrzehnten besitzt die Gruppierung den Frohsinnhof.
Der Geselligkeitsverein wurde am 1. Oktober 1875 in der damaligen Bierbrauerei Rühl, dem heutigen Gasthaus Zum Birnbaum, gegründet, heißt es in der Chronik, die zur 120-Jahr-Feier entstanden ist. Auch heute ist dort das Vereinslokal der Gruppierung. Hier trifft man sich meist einmal im Monat.
Klein hat der Verein damals angefangen. Andere Gegebenheiten herrschten. Es gab noch kein Radio, vom Fernsehen ganz zu schweigen. Also musste man sich einen Weg suchen, um ein paar schöne Stunden zu verbringen und Geselligkeit zu pflegen, erzählt der heutige Vorsitzende Wolfgang Schmotzer, der den Verein seit 26 Jahren führt. Man fand sich am Stammtisch zusammen, daraus erwuchsen zu dieser Zeit zahlreiche Geselligkeitsvereine, die auch die Familien einbezogen.
Der erste Vorsitzende des Vereins war nach der Gründung Kaspar Schinnerer, ihm standen Georg Rühl als Kassier sowie Lorenz Eckert, Martin Gräbner und Michael Schweigel als Ausschussmitglieder zur Seite, heißt es in der Chronik. Familienabende wurden ebenso organisiert wie Wanderungen oder Tanzveranstaltungen. Abwechslung zum Alltagsleben sollte geboten werden. Zwei Weltkriege überlebte der Verein. Zeitweise ruhten die Aktivitäten. Im Jahr 1956 lebte das Vereinsleben wieder auf.
Heute zählt die Gruppierung rund 140 Mitglieder, davon sind etwa 20 aktiv, schätzt Wolfgang Schmotzer. Auch bei dem Vorsitzenden selbst war das so. „Nicht jeder ist heute noch aktiv, aber die Eltern waren eben dabei.“ Ganz wesentlich in der Vereinsgeschichte sind die Namen Nähr, Hahn und Schmotzer. Sie trugen jahrelang Verantwortung und gestalteten mit.
Gut 100 Jahre nach der Vereinsgründung kam die Trachtengruppe dazu. Auch eine Volkstanzgruppe gehörte damals zu der Gruppierung, die Jugend war stark vertreten. Zwischen den 1980er und 1990er Jahren bestritt man sogar einen eigenen Kirchweihumzug. „Damals waren wir echt eine starke Truppe“, sagt Wolfgang Schmotzer. In den letzten 20 Jahren allerdings brach der Nachwuchs stark ein. „Der fehlt halt. Und das Interesse. Aber zwingen kann man niemanden.“ Durch den Austausch mit dem Trachtenverband weiß Schmotzer, dass andere Vereine mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.
Seit gut 40 Jahren hält der Verein zudem Verbindung zu den Eglantinos aus Frankreich. Zwar sei der Kontakt über die vergangenen zehn Jahre weniger geworden, aber doch immer noch vorhanden.
Vor gut 40 Jahren kam der Frohsinnhof, zu dem fünf Gebäude gehören, in den Besitz des Vereins. Im Zuge der Geselligkeit entstand die Idee, bäuerliche Utensilien zu sammeln. Gestartet hatte das schon in den 1970er Jahren. Eingelagert wurden die Gegenstände zunächst in angemieteten Hallen, präsentiert wurden sie unter anderem beim Bad Windsheimer Altstadtfest.
Der Wunsch nach einem Hof wuchs. Irgendwann wurde man auf das Anwesen in Oberntief aufmerksam – und schlug schließlich 1985 zu. Für 100.000 DM ging „die Hofanlage von der Flurbereinigung in den Besitz des Bad Windsheimer Trachten- und Geselligkeitsvereins Frohsinn über“, heißt es in der Chronik. Rund 300.000 DM investierte man damals in den Ausbau. Drei Jahre lang wurde anschließend renoviert, viele Arbeiten stemmte man vereinsintern. Zum Museumshof wurde das Anwesen ab 1988. Als Vorsitzender brachte sich Schmotzer massiv in die Gestaltung des Hofes ein.
Lag der Fokus des Vereins am Anfang vor allem auf der Geselligkeit, liegt er heute ganz klar auf dem Hof, erzählt Wolfgang Schmotzer. Den Betrieb organisiert die Gruppierung ehrenamtlich. Geöffnet hat er stets von März bis Oktober jeden Sonn- und Feiertag von 13 bis 17 Uhr. Klar Schiff gemacht wird auf dem Anwesen stets ab Ende Februar. Aber auch unter dem Jahr wird immer wieder gewerkelt. „Man muss hinterher sein. Da investieren wir auch viel Zeit“, sagt Wolfgang Schmotzer. Einmal im Jahr findet ein Hoffest statt, um das Anwesen zu präsentieren. Zudem beteilige man sich regelmäßig beim Tag des offenen Denkmals.
Mittlerweile gehören über 30 Traktoren zur Sammlung des Vereins. „Ein Großteil davon ist fahrbereit“, sagt der Vorsitzende. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten. Ein paar jüngere Mitglieder habe man zuletzt gewonnen, die sich für die alten Maschinen interessieren und gerne schrauben. Für Schmotzer ein Funke Hoffnung. Während die Tracht bei jungen Menschen nicht so wirklich ankomme, ziehe das Schrauben eher. Doch nicht nur Bulldogs sind auf dem Anwesen zu finden. Unzählige Gegenstände lagern hier – „alles, was man früher für die Landwirtschaft auf dem Feld, im Stall, am Hof oder im Haus genutzt hat“. Vom Feuerwehrauto bis zum Fleischwolf.
Wahre Schätze sind da zu finden. Wirklich Platz für Neues hat man nicht mehr. Einen Traktor, der sich noch nicht in der Sammlung befindet, würde Schmotzer aber dennoch nicht ablehnen. Bei allem anderen muss er mittlerweile meistens eine Grenze ziehen.
Eine Gelegenheit, sich auf dem Frohsinnhof umzuschauen, bietet das Jubiläums-Hoffest am kommenden Sonntag. Es beginnt um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, ab 11 Uhr gibt es Mittagessen.
Grußworte wechseln sich ab 13 Uhr mit den Auftritten verschiedener Tanz- und Musikgruppen ab. Die Eglantinos, die Volkstanzgruppe Eschenbach, die seit rund 30 Jahren die Paten des Vereins Frohsinn sind, sowie die Lichtenauer Volkstanzgruppe, für die der Frohsinn seit 1983 Patenverein ist, sind zu Gast. Der Eintritt zum Fest ist frei. Schirmherr ist Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel.