Bachwoche Ansbach: Ein Cello-Vergnügen am Morgen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.08.2025 14:00

Bachwoche Ansbach: Ein Cello-Vergnügen am Morgen

Cello mal sechs (von links): Petar Pejčić, Arne Zeller, Luka Coetzee, Clara Yuna Friedensburg, LiLa und Benjamin Kruithof. (Foto: Jim Albright)
Cello mal sechs (von links): Petar Pejčić, Arne Zeller, Luka Coetzee, Clara Yuna Friedensburg, LiLa und Benjamin Kruithof. (Foto: Jim Albright)
Cello mal sechs (von links): Petar Pejčić, Arne Zeller, Luka Coetzee, Clara Yuna Friedensburg, LiLa und Benjamin Kruithof. (Foto: Jim Albright)

Bei der Matinee „Bach – Bachiana – Bacharach” stellten sich sechs junge hochbegabte Cellistinnen und Cellisten dem Bachwochen-Publikum – nicht nur mit Bach.

Vieles geht in dieser vergnüglichen Matinee mit den jungen, erstaunlichen Solisten der Kronberg Academy den lieben Bach fließend rauf und runter, hin und her durch die Gezeiten und Nebenarme des Hauptbachs.

Höchstes Niveau und jugendliche Spielfreude zeigt diese Cellistenformation von sechs hochbegabten Künstlerinnen und Künstler, allesamt international dekorierte Preisträger und Stipendiaten der berühmten Kronberg Academy.

Mit „Bach – Bachiana – Bacharach“ unterhalten Petar Pejčić (Serbien), Arne Zeller (Deutschland), Luka Coetzee (Kanada), Clara Yuna Friedensburg (Norwegen), LiLa (China) und Benjamin Kruithof (Luxemburg) das Publikum in der gut besuchten Johanniskirche bestens. Das geht vom Urquell Bach aus: Im nah am Original orientierten Arrangement von Bachs sechstem Brandenburgischen Konzert fächert sich der erste Satz historisierend mit frischer Strenge gambenartig und das „Adagio“ mit weiter Kantilene auf. Der dunkel-üppige Klang ist betörend, lässt sich auf die wertvollen Instrumente – allesamt aus exquisitesten berühmten Werkstätten – zurückzuführen.

Filmmusik „Genome – Music of Cells“ von 2022

Mit feinem Belcanto und verstehendem Duettieren bei Sexten und Terzen lässt Alfredo Piattis D-Dur-Serenade (im Arrangement von Giovanni Sollima) einige Bachwochengäste aufjuchzen. Das eindrucksvollste Werk des Konzerts ist ein Ausschnitt aus Georgy Gusevs Filmmusik „Genome – Music of Cells“ von 2022. Die Parallele zwischen musikalischen und genetischen Zellen enthüllen sich in dem etwa fünfminütigen Ausschnitt frappierend: Bach war somit nicht nur Mathematiker, sondern nolens-volens Naturwissenschaftler, wenn man Gusevs Komposition als künstlerische Erbinformation Bachs betrachtet. Konkordanz und Dissonanz über ein Ostinato enthüllen diese Parallelen plastisch, vollendet in der Harmonie gesunder Zellen und bedrückend dissonant in der Entartung von Krebszellen.

Allzu Bekanntes bekommt sodann in Edvard Griegs populärer erster Peer-Gynt-Suite mehr Intimität. Die „Kronberger“ musizieren die Charaktere der Sätze lebendig, erwecken die norwegische Welt des Bergkönigs. Auch in der nachfolgenden Fülle brasilianischer Laszivität und Sentiments bei Heitor Villa-Lobos und Jorge Ben Jor bereiten die sechs Cellisten größtes Hörvergnügen. Gekonnte Bach-Fugenreminiszenz, Unterhaltung und folkloristische Feinzeichnung bestimmen die kompositorische Qualität.

Das Kronberg-Cello-Sextett unterhält und versteht sich untereinander hervorragend. Bei Burt Bacherachs „South American Getaway“ mündet die Filmmusik in eine veritable Bach´sche Gigue. Für soviel „Kraft der Musik über alle Grenzen hinweg“ gibt es reichen, stürmischen Beifall.


Von SABINE KREIMENDAHL
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