In großer Eintracht ist in Oberlaimbach eine Bürgerinitiative gegründet worden. Ihr Ziel: die Verbesserung der Verkehrssituation in dem Ortsteil von Scheinfeld (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim).
Der Saal im ehemaligen örtlichen Schulhaus war voll, als am Freitagabend aus der anscheinend dorfweiten Protestbewegung eine organisierte Gruppierung werden sollte. Auch knapp der halbe Stadtrat war zu Gast.
Auf einer Saalwand wurden Zahlen, Fakten und auch Sonntagsreden hochrangiger Politiker präsentiert. An die Wand gegenüber hatten die Oberlaimbacher ein Transparent gehängt: „Menschenleben zählen mehr als fließender Verkehr“ – als wäre das keine Selbstverständlichkeit.
Es reiht sich ein in die Vielzahl von Transparenten, die nun schon seit Wochen entlang der Durchgangsstraße an Häusern und Zäunen hängen und die am Wochenende um einige weitere ergänzt wurden, darunter auch eines auf Niederländisch.
Tim Ohlmann verwies darauf, dass es allein seit Anfang Februar, als ein Lastwagen spektakulär in einen Garten stürzte, vier Unfälle gegeben habe. Ein durch ein Fahrzeug zerstörtes Wartehäuschen und eine umgefahrene Straßenlaterne (die seit über fünf Jahren nicht ersetzt wurde) sind markante Schadensereignisse in der innerörtlichen Oberlaimbacher Unfallhistorie, unmittelbar vor dem Ort – an der Einmündung aus Hohlweiler – gab es in den vergangenen Jahren wiederholt Verletzte und sogar einen Toten.
Ohlmann und einige weitere Dorfbewohner berichteten zudem von Beinahe-Katastrophen, weil etwa die Spurführung an der innerörtlichen Verkehrsinsel so manchen Kraftfahrer überfordert oder weil jemand meint, innerorts ein langsames oder freundlicherweise abgebremstes Fahrzeug überholen zu müssen. Da sei „immer nur pures Glück“ dabei gewesen, befand Ohlmann.
Die Tatsache, dass die Bundesstraße 8 eine Ausweichroute für die Autobahn A3 darstellt, werde von verantwortlicher Seite gar geleugnet, beklagte Ohlmann. Auch die Feuerwehr, deren Gerätehaus an der B8 liegt, sprach von sinkender Rücksichtnahme selbst gegenüber Einsatzkräften. Und für Trauerzüge von der Dorfkirche zum Friedhof bedarf es der Feuerwehr, um den Verkehr zu regeln.
Ihre Forderungen haben die Oberlaimbacher in einer Liste zusammengestellt. Ganz oben steht da – als sehr kurzfristig umsetzbar – eine Tempo-70-Begrenzung an beiden Ortseingängen. Andere verkehrsberuhigende Maßnahmen wie etwa ein Fahrbahnverschwenk oder – wie es in der Versammlung hieß – eine Kreisellösung bräuchten vermutlich deutlich mehr Zeit. „Mittelfristig“ beziehungsweise als Fernziel wünschen sich die Oberlaimbacher eine Umfahrung, von der allerdings unklar ist, wo die Trasse geführt werden könnte.
Zu ihren Sprechern erkor die Bürgerinitiative, für die sich umgehend 40 Gründungsmitglieder in eine Liste eintrugen, per einmütigen Handheben das Quartett Uwe Barthelmeß, Barbara Haack, Janina Kern und Tim Ohlmann.
Redner der drei Ratsfraktionen versicherten den Oberlaimbachern ihre Solidarität. Dr. Gerhard Heim (ÜWG) und Dr. Berthold Krabbe (SPD) rieten gar zum „zivilen Ungehorsam“. Heim empfahl: „Nicht locker lassen, nervt die bis zum Umfallen.“ Renate Ixmeier, CSU-Kreisrätin und selbst Oberlaimbacherin, riet dazu, sich Fürsprecher im Straßenbauamt ins Boot zu holen; die Behörden seien schließlich Dienstleister des Staates, „die haben für uns da zu sein“.
Und Heim verwies dann noch auf Markt Bibart, wo einst Bürgermeister Ludwig Günther (SPD) und Landrat Walter Schneider (Freie Wähler) eine Umgehungslösung aus dem Hut zauberten, zunächst als Kreis-, inzwischen als Bundesstraße. „So was Ähnliches könnte man sich hier auch vorstellen“, sinnierte Heim, wenngleich stellvertretender Bürgermeister Klaus Luckert an den Realitätssinn appellierte.
Das Straßenbauamt in Ansbach will mit kleineren Maßnahmen die Unfallgefahr rasch senken.