Auswärtiges Amt schickt Chartermaschinen in Golfregion | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.03.2026 14:48, aktualisiert am 02.03.2026 17:22

Auswärtiges Amt schickt Chartermaschinen in Golfregion

Vielerorts fallen zahlreiche Flüge aus, weil große Drehkreuze in der Golfregion nicht angeflogen werden können – so auch hier in Frankfurt. (Foto: Florian Wiegand/dpa)
Vielerorts fallen zahlreiche Flüge aus, weil große Drehkreuze in der Golfregion nicht angeflogen werden können – so auch hier in Frankfurt. (Foto: Florian Wiegand/dpa)
Vielerorts fallen zahlreiche Flüge aus, weil große Drehkreuze in der Golfregion nicht angeflogen werden können – so auch hier in Frankfurt. (Foto: Florian Wiegand/dpa)

Hoffnung für einen Teil der im Nahen Osten gestrandeten deutschen Urlauber auf eine baldige Rückkehr in die Heimat: Das Auswärtige Amt bereitet die Rückholung von Kranken, Kindern und Schwangeren aus der Konfliktregion vor. Sie will dazu gecharterte Maschinen in die Hauptstädte Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman) schicken, wie Außenminister Johann Wadephul in Berlin ankündigte. 

Grundsätzlich sieht die Bundesregierung jedoch die Reiseveranstalter und Fluglinien in der Verantwortung, ihre Kunden nach Deutschland zurückzubringen. 

Das Bereitstellen von Flugzeugen für besonders vulnerable Gruppen sei das Mittel zweiter Wahl, sagte Wadephul. „An allererster Stelle müssen natürlich die Reiseverkehrsunternehmen hier eintreten. Und an dritter Stelle, wenn all das nicht reichen sollte, dann würden wir gegebenenfalls auf die Bundeswehr zurückgreifen.“ Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums hatte zuvor erklärt: „Die Bundeswehr ist wirklich das letzte Mittel der Wahl.“

Rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter sitzen fest

Wegen der Eskalation des Nahost-Konflikts seit dem Wochenende sitzen derzeit Zehntausende Menschen fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. Viele Staaten haben ihren Luftraum geschlossen, Kreuzfahrtschiffe liegen in Häfen fest. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind allein rund 30.000 Kunden deutscher Veranstalter betroffen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts nannte dies „eine einigermaßen verlässliche Größe“. 

Israel und die USA hatten am Samstagfrüh Luft- und Raketenangriffe auf den Iran begonnen, bei denen auch Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion.

Auswärtiges Amt entsendet Krisenunterstützungsteams

Wadephul teilte mit, dass das Auswärtige Amt auch Krisenunterstützungsteams nach Maskat, Doha und Dubai entsenden werde. „Weitere Teams erkunden die Lage an den Grenzübergängen.“ Dabei gehe es um die Möglichkeit des Grenzübergangs in Richtung von Ländern wie den Oman und Saudi-Arabien, deren Luftraum noch geöffnet sei. Ein Team der deutschen Botschaft in Kairo unterstütze den Grenzübertritt aus Israel.

Der Außenminister betonte, das Auswärtige Amt koordiniere sich sehr eng mit der Reiseindustrie. Er sei im Gespräch unter anderem mit der Lufthansa, dem Reisekonzern TUI und dem Deutschen Reiseverband. „Wir haben zusammen ein Ziel: Wir wollen Deutschen helfen, nach Hause zu kommen.“ 

Lufthansa hat Transportkapazitäten

Er habe auch mit dem Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr telefoniert, sagte Wadephul. Die Lufthansa habe grundsätzlich Kapazitäten, um Deutsche nach Hause zu bringen. „Die Voraussetzungen müssen jedoch immer im Einzelfall geprüft werden.“

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, die Region habe eine sehr gut ausgebaute Luftverkehrsinfrastruktur. Sie zähle zu den besten weltweit. Rund um den Iran gebe es befreundete Länder, die Möglichkeiten für eine zivile Ausreise zuließen, wenn der Luftraum offen sei. Es seien jetzt in allererster Linie die Airlines und die Reiseveranstalter zuständig.

 

Auch andere Länder fliegen Bürger aus 

Auch andere Länder wie Italien fliegen erste Staatsbürger aus. Ein Charterflug mit 127 Italienern an Bord startete von Maskat, wie das Außenministerium in Rom mitteilte. Die Menschen saßen demnach im Oman fest oder waren zuvor mit Unterstützung der italienischen Behörden aus Dubai dorthin gebracht worden. Nach Angaben von Minister Antonio Tajani halten sich Zehntausende Italiener derzeit in der Golfregion auf.

Tschechien kündigte an, zwei Militärflugzeuge in den Nahen Osten zu schicken, um Bürger des EU- und Nato-Mitgliedstaats in Sicherheit zu bringen. Eine Maschine werde in den ägyptischen Küstenort Scharm el Scheich fliegen, die andere in die jordanische Hauptstadt Amman, sagte Regierungschef Andrej Babis nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats in Prag. 

Reiseveranstalter reagieren

Der Reisekonzern Dertour teilte mit, derzeit halte sich eine niedrige vierstellige Zahl seiner Gäste in von Reisewarnungen betroffenen Ländern im Nahen Osten auf. Sie seien informiert worden und würden vor Ort betreut. Das Unternehmen richtete zudem eine Rund-um-die-Uhr-Hotline für Kunden der Veranstalter Dertour, ITS, Meiers Weltreisen und Clevertours ein. 

Bis einschließlich Donnerstag sagte Dertour alle Reisen in die genannten Länder mit Reisewarnung ab. Betroffene Kunden können kostenfrei umbuchen oder erhalten den Reisepreis zurück. Auch für Transit-Reisende, deren Flüge gestrichen wurden, suche man nach Alternativen.

Luftdrehkreuze sind gestört 

Besonders betroffen sind internationale Umsteigeflughäfen in der Golfregion. An den Flughäfen von Dubai wurde der Flugverkehr zeitweise ausgesetzt. Nach Angaben der dortigen Generalbehörde für Zivilluftfahrt werden rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben werden mussten. Unterkünfte, Mahlzeiten und Erfrischungen wurden bereitgestellt. Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten an, alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für gestrandete Passagiere zu übernehmen.

Der Deutsche Reiseverband rät Urlaubern, den Anweisungen der örtlichen Behörden zu folgen, in ihren gebuchten Hotels zu bleiben und nicht eigenständig zu Flughäfen oder in Nachbarländer zu reisen. Sobald die Lufträume wieder geöffnet sind, wollen die Veranstalter über Rückreisemöglichkeiten informieren.

Die Lufthansa meidet den Nahen Osten weitgehend. Bis einschließlich 8. März werde der Luftraum über Israel, Libanon, Jordanien und Irak nicht von den Airlines der Lufthansa-Gruppe genutzt, teilte die Fluggesellschaft mit. Auch Qatar, Kuweit, Bahrain, Dammam und Iran seien von dieser Vorsichtsmaßnahme betroffen. Zudem werde der Luftraum der Vereinigten Arabischen Emirate bis einschließlich 4. März nicht genutzt. Qatar Airways teilte mit, der Flugbetrieb bleibe wegen der Sperrung des Luftraums über Katar vorübergehend ausgesetzt.

Kreuzfahrtgäste warten ebenfalls auf Weiterreise

Beim Reisekonzern Tui wartet man nach Angaben eines Sprechers derzeit vor allem darauf, dass die Lufträume wieder geöffnet werden. „Im Moment kann man wirklich nur eines machen: Man kann sich um die Gäste vor Ort kümmern“, sagte er. Eigene Flüge oder Hotels betreibe Tui in der Region nicht, sondern arbeite dort mit Drittfluggesellschaften und Partnerhotels zusammen.

Auch Kreuzfahrtschiffe bleiben wegen der angespannten Lage in Häfen der Region, darunter die „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ des Anbieters Tui Cruises mit einer möglichen Kapazität für insgesamt gut 5.000 Reisende.

© dpa-infocom, dpa:260302-930-757543/2


Von dpa
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