Gefühlt passiert in der Altstadt alles gleichzeitig. Es wird geschraubt, rangiert, gehupt und geflucht – Ansbach bereitet sich auf die größte Party des Jahres vor – das Altstadtfest. Und mittendrin versuchen drei Frauen kühlen Kopf zu bewahren: Kultur-Referentin Nadja Wilhelm und ihre Mitarbeiterinnen Isabella Ruttmann und Maria Bayer.
Das Handy von Isabella Ruttmann klingelt. „Manchmal rufen mich drei Leute gleichzeitig an”, sagt sie. Zum Beispiel der Standbetreiber, der Schwierigkeiten mit dem Strom hat und Alarm schlägt, weil ihm seine Eiswürfel wegschmilzen. Isabella Ruttmann hat's geregelt. Rund 60 Vereine, Institutionen und Firmen wollen koordiniert sein: „Und man kann halt nicht überall gleichzeitig sein.” Das Organisations-Team wird während des Festes – von Mittwochnachmittag bis zum Abbau am Sonntagabend – vor Ort präsent sein. Es gibt immer was zu tun.
Manche Dinge lassen sich nicht ändern, wie der Baukran, der vor einem Anwesen am Martin-Luther-Platz steht – mitten im großen Altstadtfest-Trubel. Klar war die Baustelle angemeldet. „Aber wir wissen erst seit letzter Woche, wie groß das Baufeld wirklich ist”, sagt Naja Wilhelm. Getroffen hat es den Stand des Cafés Rosenbad, der hier seit Jahren steht und jetzt zehn Meter weiter umziehen musste. „Das sind so die Schwierigkeiten, mit denen man kurzfristig umgehen muss.”
Überhaupt sind alle Buden auf dem Martin-Luther-Platz ein Stück Richtung Johanniskirche gerückt. Dadurch wird es vor der Bühne am Stadthaus, wo es im vergangenen Jahr sehr eng zuging, etwas luftiger. Möglich war das, weil die Firma XT-Sports mit ihrem Aqua-Spaß, ihrer Rodelbahn und dem Trampolin in die Reitbahn umgezogen ist.
Das hat einen weiteren positiven Nebeneffekt: Weil die Terrorsperre weiter Richtung Stadthaus vorrücken kann, bleibt die Zufahrt für die Platen- und die Büttenstraße während des gesamten Festes frei. Apropos Terrorsperren: Noch immer haben Lieferanten Probleme, weil ihre Transporter an den Roadblockern hängen bleiben. „Die werden an den großen Zufahrten am Martin-Luther-Platz und am Schlosstor noch gegen Nizza-Sperren ausgetauscht und wandern dann in die kleineren Straßen”, verspricht Nadja Wilhelm, „dann gibt es keine Überfahrprobleme mehr.” Nizza-Sperren sind schwere Betonteile, um Straßen zu blockieren.
Während an manchen Plätzen bereits emsig gewerkelt wird, herrscht anderswo noch die Ruhe vor dem Sturm: Am Johann-Sebastian-Bach-Platz stehen noch die Bistrotische, hier müssen noch die Bierzeltgarnituren der HSG-Handballer aufgebaut werden. Und auf der Reitbahn ist noch keine Spur von der großen Kammerspiele-Bühne zu sehen. Hier soll am Mittwochvormittag sogar noch ein abgespeckter Wochenmarkt stattfinden, nur Stunden bevor Oberbürgermeister Thomas Deffner um 17.45 Uhr mit dem Bieranstich das Fest eröffnet.
Auf der Reitbahn hat die Stadt einen zweiten Toilettenwagen mit zusätzlichen Urinalen aufgestellt. „Wir wollen dem Wildpinkeln entgegenwirken”, sagte die Kultur-Referentin. Strom, Wasser, die 18 Bühnen und die Zufahrts-Genehmigungen für die Anwohner – die drei Orga-Frauen werden bis zum letzten Augenblick alle Hände voll zu tun haben.
Am Karl-Burkhardt-Platz bauen gerade die StadtFreunde ihre Cocktailbar auf, während auf der anderen Straßenseite ein Imbisswagen an den richtigen Platz rangiert wird. Wie's dann am Ende ausschauen soll – Isabella Ruttmann hat's geregelt.