Nur fünf weiße Flecken weist die Karte mit den Gemeinden im Landkreis auf, die sich in sogenannten Kommunalen Allianzen zusammengeschlossen haben. Was ist der Grund bei Bad Windsheim, Uehlfeld, Gerhardshofen und Dachsbach, dass sie auf Fördergelder verzichten?
Richtig, das sind nur vier Gemeinden. Die fünfte ist Münchsteinach. Diese Kommune hat aber bereits einen Gemeinderatsbeschluss gefällt: Sie wird demnach ab April 2025 der Kommunalen Allianz „NeuStadt&Land“ angehören. Großer Vorteil: Damit sind alle Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Diespeck dann auch Allianzmitglieder.
Der Bad Windsheimer Bürgermeister Jürgen Heckel hält es indes für einen „großen, großen Fehler, damals nicht beigetreten zu sein“. Er habe bei der Entscheidung – damals noch als Stadtrat – deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Zusammenarbeit aus seiner Sicht immer Sinn macht, „egal, ob mit Uffenheim oder Neustadt“.
Sofort nach der Amtsübergabe habe er deshalb mit Neustadts Bürgermeister Klaus Meier telefoniert. Der habe ihm aber plausibel erläutert, dass die Projekte der laufenden Periode in den anderen Gemeinden schon zu weit fortgeschritten seien und es jetzt nicht mehr passe.
Im April 2025 beginnt aber eine neue Förderperiode. Im Lichte des Beitritts von Münchsteinach griff Heckel nun erneut zum Hörer, und der Neustädter Bürgermeister sicherte ihm zu, dass er das Anliegen der Bad Windsheimer vortragen wird. Heckel jedenfalls ist überzeugt: „Etwas Besseres kann nicht passieren – nicht nur für Bad Windsheim.“ Ansonsten sei man isoliert und nur für sich selbst verantwortlich. „Gemeinsam ist man immer stärker.“ Dabei denkt er ausdrücklich auch an die Landesgartenschau im Jahr 2027, in die auch das Umland einbezogen werden soll.
Bemerkenswert genug ist, dass zumindest in den Rathäusern selbst das sprichwörtliche Kirchturmdenken doch schon weitgehend überholt zu sein scheint. Dass die stolze ehemalige Reichsstadt einmal in Erwägung ziehen könnte, einer Allianz „NeuStadt&Land“ beizutreten, war lange Zeit undenkbar. Letztlich reicht aber auch von Bad Windsheimer Seite her der Wunsch des Bürgermeisters nicht aus. Der Stadtrat müsste sich mehrheitlich dafür aussprechen.
In Gerhardshofen dagegen war ein Beitritt zu einer Kommunalen Allianz bisher kein Thema, auch wenn Bürgermeister Jürgen Mönius nicht ausschließen wollte, dass der Gemeinderat sich in Zukunft mit dem Thema beschäftigen könnte. Auch Fördermittel, wie das allgemein beliebte „Regionalbudget“ oder die Impulsberatung für Bauherren im Bestand, seien dort bisher nicht vermisst worden.
Allerdings ist man mit den Nachbargemeinden Dachsbach, Uehlfeld, Münchsteinach und Vestenbergsgreuth gemeinsam in einem Städtebauförderungsprogramm „Kleine Städte und Gemeinden“. Kern dieses Zusammenschlusses waren ursprünglich Dachsbach und Gerhardshofen, die auch in anderen Bereichen wie der Schule oder der Feuerwehr gut zusammenarbeiten.
Auch in Uehlfeld und Dachsbach haben die beiden Bürgermeister Detlef Genz und Peter Kaltenhäuser während ihrer Amtszeit noch keine Diskussionen über dieses Thema miterlebt. Kaltenhäuser kam trotzdem schon einmal damit in Berührung: Er rief nämlich beim Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) an und erkundigte sich nach einer Förderung für die Sanierung von Kernwegen. „Da hieß es dann: Die gibt es nur, wenn wir in einer Kommunalen Allianz sind.“
Im Falle der Kernwege muss er seine Amtskollegen allerdings nicht sehr beneiden: Das mit großer Hoffnung erwartete Programm erwies sich weitgehend als Rohrkrepierer. Nur wenige Kilometer dieser Wege sind bisher saniert worden. Das Regionalbudget oder die Impulsberatung, die drohende Leerstände in den Ortskernen verhindern soll, werden dagegen in den kommunalen Gremien häufig gelobt.
Doch mit dem Zusammenschluss alleine ist es nicht getan: Für die „Integrierten Ländlichen Entwicklungen“ (ILE) – wie die kommunalen Allianzen offiziell heißen – ist nämlich ein eigenes, viele Seiten dickes Konzept nötig: das ILEK.
Die Kommunalen Allianzen verfügen deshalb über sogenannte Umsetzungsbegleiter oder Umsetzungsbegleiterinnen, deren Arbeit ebenfalls vom Amt gefördert, aber eben nicht vollständig bezahlt wird.
Dennoch ist Marlene Huschik vom ALE überzeugt: Gerade bei Themen wie Hochwasserschutz, Grundversorgung und Innenentwicklung bewähren sich die ILE. „Man kann Infrastrukturen gemeinsam nutzen, Ausschreibungen gemeinschaftlich erstellen, Mobilitäts- und Energieleistungen zusammen nutzen. Das spart Kosten, erhöht die Reichweite und steigert die Möglichkeiten finanzieller Förderung.“