Anreise mit Schlepper: Landwirte greifen in den Wahlkampf ein | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.03.2024 12:03

Anreise mit Schlepper: Landwirte greifen in den Wahlkampf ein

Bei zahlreichen Veranstaltungen hatte BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff (vorne, mit Mikrofon) die Forderungen der Landwirte kundgetan. Das wollen die Bauern nun wieder tun – und Parteien besuchen. (Foto: Jim Albright)
Bei zahlreichen Veranstaltungen hatte BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff (vorne, mit Mikrofon) die Forderungen der Landwirte kundgetan. Das wollen die Bauern nun wieder tun – und Parteien besuchen. (Foto: Jim Albright)
Bei zahlreichen Veranstaltungen hatte BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff (vorne, mit Mikrofon) die Forderungen der Landwirte kundgetan. Das wollen die Bauern nun wieder tun – und Parteien besuchen. (Foto: Jim Albright)

„Unser Ziel ist es, in die Europa-Wahl einzugreifen“, sagt BBV-Kreisobmann Jürgen Dierauff. Die Landwirte planen, jeder Partei bei einer Wahlkampf-Veranstaltung einen Besuch abzustatten, um ins Gespräch zu kommen. Sachlich, unaufgeregt, so stellt sich Dierauff diese Diskussionsrunden vor. Am Samstag, 9. März, fällt der Startschuss – bei der CSU in Adelsdorf.

„Wo führt uns Europa hin? Landwirtschaft im Jahr 2035“: Unter diesem Motto steht der Diskussionsabend mit der Europa-Abgeordneten Marlene Mortler, die selbst viel Erfahrung in der Landwirtschaft hat, dem Bundestagsabgeordneten Tobias Winkler und dem Europa-Kandidaten Dr. Konrad Körner. „Da dürfen die Landwirte nicht fehlen“, sagt Dierauff. Entsprechend hat er für Samstag eine Demo angezeigt, vor dem Lokal soll es zu einer Versammlung der Bauern kommen.

„Wir haben aufgerufen, mit den Traktoren anzureisen“, betont Dierauff. „Dann werden wir als Landwirte besser wahrgenommen.“ Die Bauern wollen „alle Parteien nach demselben Muster besuchen“, wie der Kreisobmann auf Nachfrage am Telefon sagt. Die CSU-Veranstaltung im Neuhöfer Ortsteil Adelsdorf sei da nur der Anfang.

Anliegen und Kritik mit auf den Weg geben

Ziel ist es laut dem BBV-Vertreter, den Politikern die landwirtschaftlichen Anliegen mit auf den Weg zu geben, aber ihnen auch ehrlich aufzuzeigen, was in der Vergangenheit so alles schiefgelaufen ist. „Auch die CSU hat Grenzen in der Landwirtschaftspolitik überschritten, was wir als Landwirte ansprechen wollen.“ Schließlich sei die Union – mit CSU-Beteiligung – über Jahre Teil der Bundesregierung und des EU-Parlaments gewesen und habe auch entsprechende Bundeslandwirtschaftsminister gestellt. Worauf Dierauff konkret abzielt? Beispiele fallen ihm sofort ein, dafür braucht er keine zehn Sekunden Bedenkzeit.

Dierauff spricht das Jahr 2014 an, als der russische Präsident Wladimir Putin die Krim völkerrechtswidrig annektiert hatte. Da habe es Sanktionen gegen Russland gegeben, ein Einfuhrverbot für Schweinefleisch war die Antwort darauf. „Dadurch ist der Preis massiv gesunken“, denn besonders „fette Schweinebäuche“ gingen nach Russland. „Das hat die Landwirtschaft damals stillschweigend akzeptiert.“

Weiter nennt der Herbolzheimer das Votum zur Ferkelkastration. Der Bundestag habe damals beschlossen, dass dies nur unter Narkose getan werden darf – laut dem BBV-Mann eine hohe Auflage. Rettet die Bienen, der Düngeverordnungsbeschluss der Bundesregierung und so weiter: Vieles lief gegen die Bauern. Aktuell beschäftigt die Landwirte die Getreide-Situation. Im Blickpunkt: die Ukraine. Das Problem: Die großen Seewege funktionierten derzeit wegen des Krieges nicht, das Korn wird mit Lastwagen bis ins Binnenland gefahren.

Seitdem „purzeln die Getreidepreise“, sagt Dierauff. „Das ist eine unschöne Sache.“ Entsprechend ist den Landwirten sehr daran gelegen, dass man für die Seewege eine Lösung findet, wie die auch immer aussehen mag. Und besonders die Ampel-Entscheidungen hatten zuletzt für Frust und eine Protestwelle gesorgt. Stellvertretend seien hier nur die Steuererhöhungen, beispielsweise auf Agrardiesel, genannt.

Themen gibt es also genügend. „Wir werden bei allen Parteien auftauchen“, betont Jürgen Dierauff. Aber birgt das nicht enormen Sprengstoff und ist Nährboden für mögliche Eskalationen? „Wir wollen es nicht so machen wie im Landkreis Bamberg“, betont der BBV-Kreisobmann mit Nachdruck. In Hirschaid hatte der Grünen-Kreisverband seine Jahresversammlung abbrechen müssen – wegen massiver Störungen durch Demonstranten. Die ehrenamtlichen Parteimitglieder berichteten unter anderem von Klopfen gegen die Scheiben, Sirenen, Hupen und wüsten Beschimpfungen. Unter Polizeischutz musste die Veranstaltung aufgelöst werden.

Wüste Pöbeleien werden nicht geduldet

„Wir werden deutlich auftreten“, sagt Dierauff, aber deftige Pöbeleien oder gar Schlimmeres werde er definitiv nicht dulden. Präsent zu sein, aber gleichzeitig die Lage im Blick zu behalten – „das ist Aufgabe der Verbände“. Mit bis zu 100 Traktoren rechnet der BBV-Kreisobmann am heutigen Samstag in Adelsdorf. Manche werden wohl auch bleiben und sich Mortlers Vortrag anhören. Aber alles in allem wollen die Landwirte „nicht schön brav sein“, so Dierauff, sondern die Fehlentwicklungen offen ansprechen. „Wir wissen aber auch, wo unsere Grenzen sind.“ Die Termine für die Besuche bei anderen Parteien stehen derweil noch nicht fest.

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