Zwischen Elefanten und Löwen leben, gehört für Penelope Gußmann aus Weihenzell zum Alltag. Vor einem Jahr ist die 20-Jährige nach Südafrika ausgewandert, um die Ausbildung zum Safari-Guide zu absolvieren. Ganz ungefährlich war das nicht. Doch sie fühlt sich dort freier denn je.
Der Jeep kommt im Reservat zum Stehen. Die Touristen sind begeistert, gar gespannt, die Kameras werden gezückt: Ein Elefant kommt auf sie zu, er läuft näher und näher. Penelope Gußmann strahlt die Ruhe selbst aus, pfeift, spricht dem Tier und den Gästen gut zu. Doch ihr Fuß zittert über dem Gaspedal. Sie sieht dem Elefanten an, was seine Intention ist – ob Gefahr besteht. „Man darf ihnen auf keinen Fall zeigen, dass man Angst hat. Und man hat Angst.”
Penelope Gußmann sitzt am Esstisch zu Hause in ihrem Elternhaus in Weihenzell. Sie hat ihre Ausbildung zum Safari-Guide erfolgreich in Südafrika absolviert und macht nun Halt in Deutschland. Doch lange bleibt sie nicht. „Ich wollte schon immer auswandern”, erzählt sie bei einem Gespräch. Afrika reizte sie damals sehr. Obwohl sie bis dato noch nie dort gewesen war. Für die 20-Jährige sei klar gewesen, dass sie etwas mit Tieren arbeiten möchte. Haustiere waren jedoch nicht von ihrem Interesse. Im Februar 2025 wanderte sie schließlich nach Südafrika aus.
Sechs Monate Theorie und sechs Monate Praxis hatte sie bei ihrer Ausbildung zu absolvieren. Zunächst lernte die 20-Jährige alles über die Geografie vor Ort, die Biologie der Tiere, Astronomie, das Klima und die Geschichte Südafrikas. Mehr als 200 Vögel musste sie alleine an ihrem Gesang erkennen. „Die Klassenzimmer waren draußen. Das ist einfach eine ganz andere Atmosphäre“, sagt Gußmann. Geschlafen wurde in einem Zwei-Mann-Zelt.
Zwar hat ihr die Arbeit auf der Lodge gefallen, doch auf Dauer sind die Arbeitsbedingungen nicht optimal, meint sie. „Es ist schwierig, ein Privatleben zu führen.” Drei Wochen im Monat arbeiten die Guides, eine Woche haben sie frei. Auch die Bezahlung fällt recht gering aus. „Ich wäre dort geblieben”, sagt Gußmann.
Stattdessen steigt die 20-Jährige nun in das Unternehmen eines Schweizers ein, der individuelle Reisen für Touristen in Afrika erstellt. „Wir sind auf Luxusreisen spezialisiert.” Um die Routen besser erstellen zu können, muss Penelope Gußmann künftig auch in andere Teile Afrikas reisen – etwa nach Botsuana und Tansania. Sie wird ihre Kunden dann als privater Safari-Guide begleiten. Viele fühlen sich wohler, wenn sie eine Begleitperson dabei haben, die ihre Sprache spricht, sagt Gußmann. Die 20-Jährige spricht zusätzlich zu Deutsch und Englisch fließend Französisch.
In diesem Job sieht sie auch noch einen weiteren Vorteil. „Wir bringen Leute, damit Südafrikaner ihren Job machen können” – und nimmt den Ortsansässigen nicht die Arbeit weg, wie es oftmals in der Kritik steht. Einen Großteil ihrer Arbeit kann Gußmann im Homeoffice erledigen. Für sie ist es jedoch wichtig, ständig unterwegs zu sein. „Ich liebe das”, sagt sie. Dauerhaft in Afrika darf sie mit Touristen Visum jedoch nicht sein. Doch sie versucht, so oft wie möglich dort hinzureisen.
„Die Freiheit, die man dort spürt, das kann man nicht beschreiben”, sagt die 20-Jährige. „Ich bin dort nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Leben.” Darüber nachgedacht, aufzuhören, hat sie bislang noch nie. Und das, obwohl man sich als Guide im Reservat oft auch in Gefahr begibt.