„AfL” und „Deutschland vor” auf Langfurths Maibaum: Bürgermeister schreitet ein | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.05.2026 14:45

„AfL” und „Deutschland vor” auf Langfurths Maibaum: Bürgermeister schreitet ein

Langfurths Bürgermeister Simon Schäffler ist nicht erfreut über die Gestaltung des Maibaums in seinem Ort. (Foto: Friedrich Zinnecker, Martina Haas)
Langfurths Bürgermeister Simon Schäffler ist nicht erfreut über die Gestaltung des Maibaums in seinem Ort. (Foto: Friedrich Zinnecker, Martina Haas)
Langfurths Bürgermeister Simon Schäffler ist nicht erfreut über die Gestaltung des Maibaums in seinem Ort. (Foto: Friedrich Zinnecker, Martina Haas)

Es ist ein beinahe in ganz Europa verbreiteter Brauch: Zum Ende des Monats April wird mit dem Aufstellen eines Maibaums eine alte Tradition gefeiert. Auch in Langfurth, doch da ist die Aufregung um Inschriften am Stamm groß.

Es war ein ganz angenehmer Nachmittag, wie in vielen größeren und kleineren Gemeinden im Landkreis kamen die Menschen in Langfurth am späten Nachmittag des 30. April zusammen, um dabei zuzusehen, wie am Vorplatz des örtlichen Feuerwehrhauses ihr Maibaum aufgerichtet wird. Die Vertreterinnen und Vertreter der Brandbekämpfer boten Leckereien vom Grill an, die Maibaumgruppe kümmerte sich wie jedes Jahr darum, dass die rund 30 Meter hohe Fichte möglichst gerade über dem Platz thront.

Kontroverse Diskussionen um die „AfL”

So weit, so gut. Doch wer im weniger werdenden Licht einen genauen Blick auf den Stamm warf, konnte darin nicht nur typische Muster wie Rauten und andere Schnitzereien erkennen, sondern auch politische Parolen: „AfL” prangt da weit oben und etwas unterhalb des Kranzes, verziert mit exakt dem Pfeil, der sich auch im Logo der AfD findet. Damit aber nicht genug: Etwas weiter unten am Stamm steht in vertikaler Anordnung in altdeutscher Schriftweise „Deutschland vor”.

Auch wenn das zunächst nur wenige Menschen erkannten, machte es im beschaulichen Langfurth mit seinen rund 1000 Bewohnerinnen und Bewohnern schnell die Runde. Der Maibaum sorgt für Gesprächsstoff und durchaus kontroverse Diskussionen.

So ein Maibaum stehe als traditionelles Symbol öffentlich im Dorf und repräsentiere die gesamte Gemeinschaft, argumentiert eine Langfurtherin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Es sei doch ein Zeichen des Zusammenhalts und nicht einer wie auch immer gearteten politischen Positionierung. „Gerade deshalb wird es von einigen Menschen im Ort als problematisch wahrgenommen, dass ein solches gemeinschaftliches Symbol mit politischen Botschaften versehen wird, die eher polarisieren als verbinden.”

Schäffler findet es „maximal irritierend”

Nur wer ist für die Gestaltung des Maibaums verantwortlich? In Langfurth erledigt das die Maibaumgruppe. „Ein loser Zusammenschluss”, erklärt Bürgermeister Simon Schäffler auf FLZ-Anfrage. Auch dem Gemeindeoberhaupt waren die fraglichen Schnitzereien zunächst nicht aufgefallen. Als er am Tag danach einige Beschwerde-Mails dazu erhielt, „hab ich mir das selbst angesehen”. Seine klare Meinung dazu: „Die Gemeinde spricht sich ganz deutlich gegen politisch missverständliche Schnitzereien auf einem Maibaum aus.”

Gerade im Kontext sind die Schnitzereien für Schäffler „äußerst ungünstig” und „maximal irritierend”, deshalb habe er die Sache auch „sehr ernst” genommen, sofort den Kontakt mit dem Landratsamt und der Polizei gesucht und um deren Einschätzung gebeten. Strafrechtlich sei hier nicht einzuschreiten, hieß es. Man habe sich gemeinsam aber auf eine Nachbesserung des Maibaums verständigt. „Wir waren zum Handeln gezwungen”, sagt Schäffler deutlich im Sinn des guten Miteinanders.

Inzwischen wurde der Schriftzug „AfL” nebst Pfeil entfernt, berichtete der Bürgermeister. „Deutschland vor” sei noch zu erkennen, weil es sich dabei um eine Anspielung in Richtung der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft handle. Die Maibaumgruppe war zum Aufstellen komplett in Trikots der Nationalmannschaft erschienen.

Fragwürdige Aktion hat ein Nachspiel

Mit der von der Maibaumgruppe ins Spiel gebrachten Deutung des AfL-Signets für Anglerfreunde Langfurth konnte sich Schäffler nicht anfreunden. „Es gibt viele Angler bei uns, aber einen gleichnamigen Verein gibt es meines Wissens nach nicht.” Als Dummer-Jungen-Streich mag der Bürgermeister die Aktion keinesfalls verbuchen: „Da wurde eine Grenze überschritten.” Deshalb sei auch eine „deutliche Ansage” an die Gruppe gegangen, die anderen Zusammenschlüssen einen „Bärendienst” erwiesen habe.

Denn die Schnitzereien mit politischem Kontext werden ein Nachspiel haben, kündigte Schäffler an. Künftig müssen die Entwürfe der Schnitzereien an Maibäumen im Gemeindegebiet der Verwaltung vorab zur Kontrolle vorgelegt werden.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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