Veröffentlicht am 11.11.2022 19:08

Addnfahrer mit Leib und Seele

Der Addnfahrer im Onoldiasaal in Ansbach. (Foto: Sarina Schwinn)
Der Addnfahrer im Onoldiasaal in Ansbach. (Foto: Sarina Schwinn)
Der Addnfahrer im Onoldiasaal in Ansbach. (Foto: Sarina Schwinn)

Junge Männer klopften sich auf die Schenkel. So mancher Zuschauerin reichte der Vorrat an Lachern nicht aus, sodass Tränen mithalfen und die Wangen herunterkullerten. Addnfahrer Thomas Willibald aus dem Bad Tölzer Raum sorgte mit seinem Programm „S'Lem is koa Nudlsubbn“ für Lachbeben.

Mit leuchtend roter Schnittschutzhose, orangenen Hosenträgern, einem Filzhut, grauen Pantoffeln und in Begleitung zweier Bierflaschen, so steht er auf der Bühne, der Addnfahrer. Braucht nur ins Mikro zu grunzen, in schrillem Ton kurz und plötzlich loszulachen. Und das Publikum prustet los. Er öffnet die Flasche mit einem Zollstock. Es ploppt, er blickt der Kapsel beim Davonfliegen hinterher. Aus dem Saal echoen die Plopp-Geräusche. Man prostet sich zu. Heiter, die Stimmung.

Die Kunstfigur des Addnfahrer funktioniert durch mehrere Zutaten, die ineinander wie zu einem köstlichen Gugelhupf verbacken. Da wäre sein bayerischer Dialekt, der durch Wortwahl, Intonation und Melodik in der Stimme urkomisch wirkt. So manches Schimpfwort fliegt mit Wucht durch den Raum. Etikette und politische Korrektheit sind an diesem Abend nicht eingeladen. Gern verstellt Willibald die Stimme, spricht mal piepsig hoch, mal brummbärartig tief.

Akute Platz-Gefahr wegen Hosenknopf

Er nimmt sich selbst aufs Korn und nur selten ernst. Besonders seinen Bauch, den er liebevoll „Knödelfriedhof“ nennt, versieht er mit augenzwinkernden Seitenhieben: Ein TÜV-Prüfer hätte ihm fast den Auftritt untersagt. Der Grund: der Knopf an seiner Hose. Zu gefährlich für die erste Reihe. Platz-Gefahr. Weshalb er einem Zuschauer kichernd eine Schutzbrille überreicht.

Zuweilen wirkt der Addnfahrer wie ein Lausbub: mit seinen roten Backen, den Schnuten, den Händen auf dem Bauch, den Kulleraugen – ein Unschuldslamm. Dabei gibt er Anekdoten aus seinem Leben zum Besten. Wie er sein Gesicht dabei zerknautscht, ist eine wahre Kunst.

Deftige Sprachbilder und Vergleiche

Auch der Rest seines Körpers muss mitmachen. Als er etwa geht wie ein „rheumakranker Königspinguin“. Leicht gebückt, mit kleinen Schritten. Ohne vorwärtszukommen. Er mag deftige Sprachbilder und Vergleiche. Absurd, unerwartet, einprägsam. „Wie zwei Nacktschnecken“ seien er und seine Freundin aneinandergeklebt. Der Vater habe ein „Gnack gehabt bis unter die Ohrwatscheln“. Scharfes Essen im indischen Restaurant löste ihm „alle Mundschleimhäute ab“. „Ich hätt genauso gut a Langstreckenrakete fressen kenna“, sagt er außer Puste.

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In die Nacht verabschiedet Willibald das Publikum mit Ernst: „Genießt's des Leben wieder mehr.“ Er weiß, wovon er spricht. Ein schwerer Arbeitsunfall hätte ihn fast seines gekostet. Der Unfall hatte auch sein Gutes. Nie hätte er sonst seine Berufung gefunden: den Addnfahrer. In den Feierabend verabschiedet ihn das Publikum mit Standing Ovations.


Jennifer Sandmeyer
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