Heimische Wälder fit für die Zukunft zu machen, das ist das erklärte Ziel der Forstwirtschaft. Um es zu erreichen, finden bei Nachsaaten oder Neuanpflanzungen Baumarten Verwendung, von denen man hofft, dass sie dem fortschreitenden Klimawandel am besten trotzen. Dazu gehört die Esskastanie. 30 Kilo Saatgut dieser Baumart wurden in Neustadt ins Erdreich befördert.
Dafür hatte Förster Gernot Käßer ein rund 1000 Quadratmeter großes Areal im Stadtwald ausgewählt und Forstwirtschaftsmeister Christoph Rummel aus Birkenfeld mit ins Boot geholt. Letzterer hat eine Maschine, mit der man in einem neuen Verfahren das Saatgut optimal ins Erdreich bekommt, so Käßer. Bisher hatten der Förster und seine Mitstreiter eine Weinbergsfräse an einen Schlepper gehängt – so ging es auch, war aber nicht ideal.
Nun war die professionale Variante im Einsatz, mit der man, so der Forstmann, auch Wurzeln durchfräsen könne. Das verwendete Saatgut stammt aus dem Neustädter Stadtwald. Gesammelt hatte es Hans-Hermann Nöhring aus Gunzendorf (Gemeinde Emskirchen) im Herbst 2024. „Er ist der Urvater der Esskastanie und hat das beste Wissen über sie“, erzählte Käßer von der aus Forstleuten (unter ihnen Experten im Forstumbau), Studierenden der Forstwirtschaft sowie Vertretern der Stadt Neustadt und der Sparkasse/Sparkassenstiftung bestehenden Gruppe.
Rund 5000 der gesammelten Esskastanien, die zirka 30 Kilogramm entsprechen, wurden nun ausgesät.Wenn aus ihnen Bäumchen werden, bedürfen sie kaum der Unkrautpflege. „Sie schieben sich durch dieses einfach raus“, führte Käßer aus. Er würdigte den Gunzendorfer Nöhring als großen Waldfreund und jemanden, der viel Erfahrung rund um die Esskastanie in den vergangenen Jahren gesammelt hat und sein Wissen gern weitergibt.
Nach den einführenden Worten zeigte Rummel, wie seine 75 PS starke und 1800 Kilo schwere ferngesteuerte Raupe funktioniert, nachdem Nöhring sie erneut mit einer gehörigen Portion Esskastanien „gefüttert“ hatte. Das Saatgut wird rund zwei bis drei Zentimeter tief in den gefrästen Furchen abgelegt und dann wieder mit Erdreich bedeckt.
Die so mit der Zeit in den Boden einwurzelnden Bäume hätten eine gute Chance zu gedeihen – trotz des Klimawandels. Das bei dieser Aktion verwendete Saatgut habe zudem den Vorteil, dass es wieder an dem Standort eingebracht wird, wo es herkommt – aus dem Neustädter Stadtwald. „So ist es auf die Gegebenheiten abgestimmt. Es gibt nichts Besseres als Nachsaat oder Nachverjüngung.“ Die neben den Esskastanien auf dem neuen Areal gepflanzten Elsbeeren und Flaumeichen stammen aus einer Baumschule.
Nicht unerwähnt ließ Gernot Käßer, das große Engagement der Sparkassenstiftung für den Aufbau eines Klimawaldes in Neustadt. 2024 waren über diese Stiftung Nadelbäume wie Atlaszedern und Hemlocktannen auch auf einem Areal im Stadtwald gepflanzt worden. „Wir wollen eine große Vielfalt“, so der Forstmann.
Er sowie Sparkassen-Nachhaltigkeitsbeauftragter Andreas Stern und Manuela Hofmann, Bereichsleiterin Marketing, führten im Gespräch mit unserer Redaktion aus, dass die Sparkassenstiftung mit insgesamt 15.000 Euro das Projekt Klimawald in Neustadt unterstützt (jährlich mit 3000 Euro). Angelegt wurde nun mit dem neuen Areal die vierte Fläche. Dank sagte Gernot Käßer auch der Stadt Neustadt, die das Klimawald-Projekt tatkräftig unterstützt.