Veröffentlicht am 23.11.2022 21:30

Wird, was lange währt, nun endlich gut?

„Nach der Schule zum Gebhardt-Haus“ – dieser Spruch begleitete tausende Ansbacher in ihrer Zeit als Pennäler. Vor etwas mehr als 16 Jahren hatte das namensgebende Schreibwarengeschäft nach 104 Jahren seine Pforten jedoch schließen müssen. Seitdem ist viel passiert und doch nichts.

Wann immer es um die weitere Nutzung der Immobilie ging, die drei Häuser am Eck zwischen Montgelasplatz und Pfarrstraße umfasst, kochte die Gerüchteküche hoch. Ein erster Nachmieter scheiterte schnell, auch die geplante Nutzung als Wohn- und Bürohaus ließ sich nicht realisieren. Genauso wenig wie die Erweiterung der benachbarten Fach- und Berufsoberschule, die Vision einer Markthalle, die Nutzung als Kaffeehaus oder als Standort für das Comeback der Hürner-Bräu.

Eine Herausforderung ist „das Gebhardt“ auch nach dem Erwerb durch den Ansbacher Architekten Hermann Pfeiffer (PS Planung & Service GmbH) vor nunmehr fünf Jahren geblieben. Schnell war die Idee geboren, in dem Wohnhaus, in dem Kaspar Hauser nach seiner Ankunft in Ansbach bis zu seinem Tod 1833 für zwei Jahre lebte, ein Tagungs- und Seminarhaus mit unterschiedlichen Kultur- und Bildungsangeboten zu etablieren.

Doch die Realisierung der Pläne wurde immer wieder verschoben und lässt bis heute auf sich warten. Nachvollziehbar mag das durch die Komplexität der hinter der „Kaspar-Hauser-Zentrum“ getauften Idee sein: Es soll ein Mittelpunkt für heilende Pädagogik entstehen, der an eine gemeinnützige GmbH vermietet wird, die das Parzival-Zentrum und die Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners tragen.

An Spendengeldern ist inzwischen etwa eine Million Euro zusammengekommen. Auch die Fördermaßnahmen, etwa durch das Amt für Inklusion oder verschiedene Stiftungen, sind auf den Weg gebracht, wie GmbH-Geschäftsführer Stephan Weber versichert: „Es ist alles vorbereitet, alles scharrt mit den Hufen. Es könnte losgehen.“

Noch aber regiert der Konjunktiv. Noch ist das tote Eck am Montgelas-platz nicht wiederbelebt. Noch bringen lediglich die Graffitis auf den Fenstern Farbe in die Tristesse. Das aber soll sich nun doch schnell ändern, wie Stephan Weber meint: „Eigentümer und Bauherr haben alles vorbereitet, es liegt nicht an uns. Wir warten nur noch auf einen Kran, den wir unbedingt brauchen, der aber noch auf einer anderen Baustelle steht.“ Dazu passt, dass bei der Stadt ein Antrag zur Baustelleneinrichtung am Montgelasplatz eingegangen sein soll. Eine Bestätigung steht noch aus.

Die Aufgaben sind schließlich vielfältig in dem Gebäudekomplex, in dem immer wieder an- und umgebaut worden ist im Laufe der Jahrzehnte. Begonnen werden soll mit dem Dach, das Weber gemäß „ziemlich verzogen“ ist und zunächst neu ausgerichtet werden muss. Dazu bedarf es auch einiger Stahlträger, die von oben nach unten eingezogen und später wieder entfernt werden.

Böse Überraschungen erwartet Weber bei den Arbeiten in dem Komplex mit 1200 Quadratmetern Nutzfläche nicht. „Das ist alles solide gebaut und hinlänglich untersucht“, sagt Weber, und der erfahrene Bauleiter schiebt hinterher: „Da habe ich schon ganz andere Sachen erlebt.“ Für Nicht-Fachleute im Baubereich bleibt das Projekt allemal höchst spannend. Wetten laufen, wann das Restaurant „Stéphanie“ mit Außenbestuhlung, das Tagungszentrum inklusive kleinem Hotel, der Seminar-Bereich und das Förderzentrum tatsächlich eröffnet werden.

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Florian Pöhlmann

Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.

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