Wenn sich Pink und Orange küssen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.02.2022 09:56

Wenn sich Pink und Orange küssen

Die Kombination Pink/Rosa mit Orange ist angesagt in diesem Sommer. Teils wird das sogar in einzelnen Kleidungsstücken praktiziert, wie zum Beispiel bei diesem Pullover von Aniston by Baur (Blazer ca. 70 Euro, Pullover ca. 40 Euro, Hose ca. 30 Euro). (Foto: Aniston by Baur/dpa-tmn)
Die Kombination Pink/Rosa mit Orange ist angesagt in diesem Sommer. Teils wird das sogar in einzelnen Kleidungsstücken praktiziert, wie zum Beispiel bei diesem Pullover von Aniston by Baur (Blazer ca. 70 Euro, Pullover ca. 40 Euro, Hose ca. 30 Euro). (Foto: Aniston by Baur/dpa-tmn)
Die Kombination Pink/Rosa mit Orange ist angesagt in diesem Sommer. Teils wird das sogar in einzelnen Kleidungsstücken praktiziert, wie zum Beispiel bei diesem Pullover von Aniston by Baur (Blazer ca. 70 Euro, Pullover ca. 40 Euro, Hose ca. 30 Euro). (Foto: Aniston by Baur/dpa-tmn)

Beige, Grau, Schwarz, Marineblau - das sind Farben, mit denen man nicht sonderlich viel falsch machen kann. Aber viel mehr gibt es über sie auch nicht zu sagen. Das ist beim Color Blocking ganz anders.

Eine kleine Begriffserklärung vorab: Color Blocking ist ein Mix aus verschiedenen Farben in einem Outfit. Sie kommen aber nicht in kleinen Streifen oder anderen winzigen Mustern vor, sondern es handelt sich um breite Flächen. Oft werden auch einfarbige Stücke in verschiedenen starken Farben miteinander kombiniert. Schuhe und Taschen bilden dabei eigene Farbblöcke.

Das kann ein grünes Shirt zum gelben Rock sein, ein strahlend pinkes Oberteil zur rosa Hose oder ein rotes Beinkleid zum sanftrosa Blazer. Eine auffällige - und ungewöhnliche - Farbkombination fällt beim Blick in die aktuellen Kollektionen am häufigsten auf: Orange zu Pink oder Rosa.

Außerdem neu ist, dass viele Kleidungsstücke schon in ihrem eigenen Muster das Color Blocking aufweisen. Das ist auch einer der Tipps von Madeline Dangmann vom Modemagazin „Glamour“. Das kann zum Beispiel ein Pulli sein, der Farben in Form von dicken Streifen kombiniert. Dazu eine Jeans oder einen Rock in neutralen Tönen tragen, rät die Modejournalistin.

Die Alternative ist, selbst zu kombinieren. „Wer diesen Trend erst für sich entdeckt, sollte sich zunächst auf zwei Farben für die Kombination beschränken“, rät Dangmann. „Denn drei oder vier starke Töne miteinander zu mixen, erfordert schon jede Menge modisches Fingerspitzengefühl, damit das Ergebnis auch gut aussieht.“

Zu diesem Stilgefühl gehört zum Beispiel, dass die Looks an sich - von der Farbe abgesehen - eher schlicht sind. Die Farbe als Merkmal bleibt im Vordergrund stehen und auf Rüschen, Volants oder verspielte Details wird komplett verzichtet, so die Modejournalistin.

Eine einfacher umzusetzende Variante des Color Blocking sind die monochromen Looks, die in einer Farbwelt bleiben. Man mischt also verschiedene Töne einer Farbe miteinander, etwa „zwei auffallende Rot- oder Blautöne“, empfiehlt Dangmann.

Herauskommen fröhlich wirkende Outfits. Looks, zu denen man an sonnigen Tagen gerne greift. Sie eignen sich aber auch, um tristen Frühlingsregen erträglicher zu machen. Und natürlich auch den Pandemiealltag. Denn dieser hat die Farbwahl der Designer ausgelöst.

„Dieser Trend zu intensiven Farben hat zunächst mit der einschränkenden Situation zu tun, in der wir alle in den vergangenen zwei Jahren gelebt haben: Homeoffice, wenig Kontakte, keine Partys“, erklärt Modeanalyst Niels Holger Wien vom Deutschen Mode-Institut in Köln. „All das hat dazu geführt, dass die modische Farbwelt eher zurückhaltend unfarbig war.“

Das ändert sich jetzt: „Die Menschen wollen rausgehen, gesehen werden, das Leben genießen, andere Menschen treffen“, so Wien. „Intensive Farben im Color Blocking bekommen da Signalwirkung - und sie lösen positive Emotionen aus.“ Das nennt sich „Dopamine Dressing“. Der Begriff lässt sich allerdings nicht wörtlich übersetzen: „Dopamin“ ist ein Hormon, das Glücksgefühle auslöst, „dressing“ das Anziehen. Zusammen ergibt das Mode, die fröhlich machen soll.

Und genau dafür steht in dieser Saison die Kombi aus Pink und Orange. „Die erinnern nämlich einerseits an fremde Blüten wie Hibiskus oder Kurkuma. Andererseits sind Pink und Orange auch die Töne eines südlichen Sonnenuntergangs - und bringen Urlaubsgefühle automatisch mit“, sagt Trendanalyst Niels Holger Wien.

Allerdings ist - wie es in der Mode häufig der Fall ist - der Trend zu Orange und Pink nicht wirklich neu: Ein Blick in die Modegeschichte zeigt, dass diese Kombi seit den späten 1960er Jahren immer wieder auftaucht.

„Trotzdem ist diese Form des Color Blocking kein Retro-Trend“, sagt Niels Holger Wien. „War dieses besondere Pink-Orange früher eher der Haute Couture vorbehalten, ist es heute im Alltag angekommen. Dementsprechend sind auch die Looks viel lässiger und selbstverständlicher als in früheren Dekaden.“

Aber: Nicht alle Color-Blocking-Kombis haben es leicht. Die Grenze zwischen Papageien-Look und mutigem Stil ist bei diesem Trend recht schmal - selbst bei den Looks der Designer. Nicht jedem gefällt es, modisch so aufzufallen.

Aber Modeberaterin Milena Georg aus Ulrichstein (Hessen) meint: Jede Frau kann diesen Look tragen. „Gerade Color-Blocking ist sogar besonders gut geeignet, um die eigene Figur in Szene zu setzen. Nämlich dann, wenn die Farben so eingesetzt sind, dass sie beispielsweise an den Seiten eines Kleids dunkler sind.“ So lässt man die Silhouette dort optisch schmaler erscheinen.

Georg rät, sich beim Color Blocking zu entscheiden: Entweder nur kräftige Töne oder nur softe Farbnuancen einsetzen.

© dpa-infocom, dpa:220224-99-264964/5

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