Veröffentlicht am 24.11.2022 12:29

Verband sieht Wirtschaftsstandort Bayern in Gefahr

Auf dem Kassenbon sind verschiedene Lebensmittel aufgelistet. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration)
Auf dem Kassenbon sind verschiedene Lebensmittel aufgelistet. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration)
Auf dem Kassenbon sind verschiedene Lebensmittel aufgelistet. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration)

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) sieht angesichts von Energiekrise, Fachkräftemangel und konjunktureller Talfahrt „eine strukturellen Gefährdung des Wirtschaftsstandorts Bayern“. Vbw-Präsident Wolfram Hatz sagte am Donnerstag in München, Energie sei nicht nur viel teurer geworden, sondern die „Versorgungssicherheit ist nicht mehr gegeben“.

Die aktuelle Wirtschaftslage sei zwar noch ganz ordentlich, weil die Auftragsbestände hoch und der Arbeitsmarkt stabil seien. Aber „die bayerische Wirtschaft ist auf dem Weg in die Rezession“, sagte Hatz. Die Inflation verringere die Kaufkraft der Konsumenten, auch der Export werde schwächer. Aufträge könnten wegen fehlender Teile nicht abgearbeitet werden. Die Industrieproduktion und der Bausektor hätten schon im dritten Quartal unter Vorjahr gelegen. Im laufenden vierten Quartal schrumpfe die Wertschöpfung der bayerischen Wirtschaft insgesamt. Das werde sich Anfang nächsten Jahres fortsetzen.

Der vbw-Index sei seit dem Frühjahr von 126 auf 103 Punkte gefallen. Er liege damit noch im langjährigen Durchschnitt, das „Glas ist noch zur Hälfte gefüllt, aber es wird sich in den kommenden Wochen und Monaten weiter leeren“, sagte Hatz.

Scharf kritisierte er die EU: Obwohl Unternehmen Energieprobleme bis zum Abwinken hätten, verhindere Brüssel staatliche Hilfen. Obwohl der Autoindustrie Teile vorn und hinten fehlten, bürde Brüssel den Unternehmen mit dem Lieferkettengesetz jetzt auch noch ein neues „Bürokratiemonster“ auf, sagte Hatz: „Es ist einfach nur unsäglich.“

Wie die Energieversorgung in einem Jahr und in Zukunft aussehe, sei fraglich. Bislang höre er nur Ankündigungen, sagte Hatz. Die deutschen Atomkraftwerke müssten weiterlaufen, und „wir brauchen jetzt einen Masterplan Energie 2030 mit einem klaren Konzept für eine Wasserstoffwirtschaft“, forderte Hatz.

Der Fach- und Arbeitskräftemangel werde zunehmen. „Es kann dazu kommen, dass wir eine erhöhte Arbeitslosigkeit und gleichzeitig fehlende Fachkräfte sehen, weil bestimmte Qualifikationen nicht genügend vorhanden sind“, sagte der vbw-Präsident. Die Autoindustrie zum Beispiel brauche für E-Autos weniger und andere Teile von den Zulieferern, sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Trotz Umschulungen werde ein Teil der Beschäftigten sich in andere Branchen oder Regionen Arbeit suchen müssen oder arbeitslos werden.

© dpa-infocom, dpa:221124-99-646179/2

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