Veröffentlicht am 27.06.2022 02:46

Unglück in Stierkampfarena: Tote und Verletzte

Beim Zusammenbruch eines Teils der Tribünen der Arena von El Espinal kam offiziellen Angaben zufolge auch ein dreijähriges Kind ums Leben. (Foto: Uncredited/AP/dpa)
Beim Zusammenbruch eines Teils der Tribünen der Arena von El Espinal kam offiziellen Angaben zufolge auch ein dreijähriges Kind ums Leben. (Foto: Uncredited/AP/dpa)
Beim Zusammenbruch eines Teils der Tribünen der Arena von El Espinal kam offiziellen Angaben zufolge auch ein dreijähriges Kind ums Leben. (Foto: Uncredited/AP/dpa)

Es sollte ein ausgelassenes Fest werden, endete aber in einer Katastrophe: Beim Einsturz eines Teils der Tribünen einer Stierkampfarena in Kolumbien sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen.

Etwa 300 Besucher seien verletzt worden, 30 von ihnen schwer, sagte der Gouverneur des Departments Tolima, Ricardo Orozco, am Sonntagabend im Rundfunk. Bei den Toten handele es sich um zwei Frauen, einen Mann und ein 14 Monate altes Kind.

„Hätte noch viel schlimmer ausgehen können“

„Angesichts des Ausmaßes dessen, was auf den Videos zu sehen ist, hätte die Tragödie noch viel schlimmer ausgehen können“, sagte er dem Sender RCN. Auf den Clips in sozialen Medien ist zu sehen, wie auf einer Seite der Arena der Stadt El Espinal, gut 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá, die mit hunderten Zuschauern besetzten Holztribünen einstürzen und dabei nach vorne in die Arena kippen. Die Ursache war zunächst unklar. „Insgesamt sind acht von 44 Tribünen unserer Stierkampfarena eingestürzt, jede mit etwa 100 Personen“, sagte Bürgermeister Juan Carlos Tamayo.

Es geschah gegen Sonntagmittag, als gerade mehrere junge Männer den Stier umringt hatten und mit Fahnen und T-Shirts zu reizen versuchten. Auf dem eingestürzten Teil der Konstruktion saßen etwa 800 Zuschauer, sagte Orozco. Laut einem Bericht der Zeitung „El Tiempo“ verbreitete nach dem Vorfall zudem ein aus der Arena geflüchteter Stier Panik in den Straßen der rund 75.000 Einwohner zählenden Stadt. Der Gouverneur rief die Bürgermeister in der Region auf, ähnliche Feste abzusagen.

In El Espinal fand zum traditionellen Peter- und Paul-Fest eine „Corraleja“ statt, eine für Kolumbien typische Stierkampfveranstaltung, bei der Reiter und wagemutige Läufer den Bullen auf dem sandigen Platz herausfordern. Das von Tierschützern kritisierte Spektakel hat Volksfestcharakter, nicht selten rennen auch Menschen aus dem Publikum in das Rund. Immer wieder gibt es dabei Verletzte.

Die mehrstöckigen Arenen werden oftmals eigens für diese Veranstaltungen im Rahmen der Feste zu Ehren des lokalen Schutzpatrons aus Holz und Guadua, einer örtlichen Bambusart, gebaut. Ihren Ursprung haben die „Corralejas“ in der spanischen Kolonialzeit, als auf großen Haciendas das Vieh zusammengetrieben wurde.

Staatspräsident Duque kündigt Ermittlungen an

Staatspräsident Iván Duque kündigte auf Twitter Ermittlungen an.

Sein gewählter Nachfolger Gustavo Petro schrieb, er bitte die Lokalverwaltungen des Landes, keine Veranstaltungen mehr zu genehmigen, bei denen Menschen oder Tiere getötet würden. Er erinnerte zudem an eine ähnliche Tragödie: Im Jahr 1980 war in der Stierkampfarena in Sincelejo, der größten Kolumbiens, eine überfüllte Tribüne eingestürzt. Mindestens 300 Menschen starben.

El Espinals Bürgermeister Tamayo bedauerte das Unglück, verteidigte aber die Tradition der „Corraleja“-Feste in seiner Stadt. „Es gibt sie schon seit 141 Jahren, und immer wird diese Struktur benutzt“, sagte er dem Sender Caracol Radio. Die Holztribünen würden von erfahrenen Zimmerern aufgebaut, die als „Palqueros“ bekannt sind und das Handwerk von ihren Vätern erlernt hätten. Dass auch Kinder dem Spektakel beiwohnten, gehöre dazu: „Wie bei allen Festen geht es darum, dass das ganze Volk es genießen kann.“

Die Generalstaatsanwaltschaft leitete ein Disziplinarverfahren gegen den Bürgermeister von Espinal ein. Er habe trotz Aufforderung keinen Notfallplan für die Veranstaltung vorgelegt, teilte die Behörde mit.

© dpa-infocom, dpa:220627-99-811900/9

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