Veröffentlicht am 12.09.2022 10:26, aktualisiert am 17.10.2022 15:15

Schrott-Lamborghini: Polizei „noch kein Stück weiter“

Teures Wrack: Etwa 150.000 Euro hängen hier am Haken des Abschleppkranes. (Foto: Polizei)
Teures Wrack: Etwa 150.000 Euro hängen hier am Haken des Abschleppkranes. (Foto: Polizei)
Teures Wrack: Etwa 150.000 Euro hängen hier am Haken des Abschleppkranes. (Foto: Polizei)

Jemand fährt einen teuren Lamborghini zu Schrott, lässt das Wrack einfach am Straßenrand stehen - und die Polizei findet ihn nicht. Auch fünf Wochen nach dem Unfall im Bereich einer Autobahnbaustelle auf der A6 bei Schnelldorf haben die Beamten keine Spur von der Person, die am Steuer des Boliden im Wert von rund 150.000 Euro saß. „Wir sind noch kein Stück weiter“, erklärte ein Polizeisprecher am Montag auf FLZ-Nachfrage.

Das rätselhafte Verschwinden des Unglückspiloten beschäftigt nach wie vor die Polizei in Ansbach und Heidelberg, bestätigte der Sprecher. Mangels Ermittlungsergebnissen sei noch keine Rückmeldung an die Staatsanwaltschaft erfolgt. Der gesuchte Fahrer hatte sich zu Fuß oder per Anhalter aus dem Staub gemacht.

Während sich die Verkehrspolizei (VPI) Ansbach um die Frage der Unfallflucht kümmert, knöpften sich die Kollegen in Heidelberg den Halter des Murciélago vor. Die weiße Flunder ist dort zugelassen. Der Eigentümer des Wagens hält sich laut Polizeiangaben offenbar sehr bedeckt. Obwohl er seinen Lamborghini nicht als gestohlen gemeldet hat, ermittle die Kripo Heidelberg wegen des Verdachts des Diebstahls.

Mit weiteren Auskünften halten sich die Ermittler mit Hinweis auf das laufende Verfahren zurück. Offen ist auch, ob die kriminaltechnische Untersuchung des kaputten Autos, die bei der VPI in Ansbach erfolgte, verwertbare Ergebnisse erbrachte.

Der weiße Lamborghini Murciélago Roadster war im September in einer Baustelle auf der Autobahn A6 bei Schnelldorf verunglückt. Die Person, die ihn lenkte, ließ das Wrack nach der Karambolage einfach am Fahrbahnrand zurück. Sollte der Unfallverursacher unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden haben, als er den teuren italienischen Flitzer ramponierte, so wird man das wohl nicht mehr nachweisen können. Allerdings wird sich der Fahrer, sofern man ihn findet, wegen Unfallflucht verantworten müssen - auch das kein Kavaliersdelikt.

Die Polizei geht davon aus, dass der Fahrer mit „nicht angepasster Geschwindigkeit“ unterwegs war, als er am Sonntag, 11. September, kurz nach 8 Uhr auf der Autobahn A6 zwischen der Landesgrenze von Baden-Württemberg und dem Kreuz Feuchtwangen/Crailsheim in Richtung Nürnberg fuhr. Im Baustellenbereich geriet er mit seiner rund 600 PS starken Flunder nach links in den Fahrbahnteiler. Der Sportwagen schleuderte auf einer Strecke von etwa 100 Metern mehrfach gegen die Fahrspurentrennung, berichtete die VPI Ansbach. Fahrzeugteile wurden auf die Gegenfahrbahn geschleudert. An der Baustelleneinrichtung entstand ein Schaden von rund 5000 Euro.

Schließlich kam der weiße Lamborghini rechts im Bankett zum Stillstand. Der Fahrer ließ das ringsum ramponierte Wrack - die Polizei geht von einem Totalschaden aus - einfach stehen und entfernte sich zu Fuß von der Unfallstelle. Beamte der VPI und der Polizeiinspektion Feuchtwangen suchten in der näheren Umgebung vergeblich nach ihm.

Vom Murciélago wurden zwischen 2001 und 2010 nur rund 4000 Exemplare hergestellt, die zu Preisen von weit über 200.000 Euro verkauft wurden.


Wolfgang Grebenhof

Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.

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