Veröffentlicht am 28.11.2022 15:19

Ukrainischer Autor Kurkow vermisst russischen Widerstand

Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow während eines Fototermins. (Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archivbild)
Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow während eines Fototermins. (Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archivbild)
Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow während eines Fototermins. (Foto: Ulrich Perrey/dpa/Archivbild)

Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow vermisst in Russland den Widerstand gegen Präsident Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine. „Es gibt keine laute Stimme gegen Putins Politik, gegen diese Aggression

, weder von den Menschen in Russland, noch außerhalb von Emigranten, sagte der 61-Jährige am Montag in München, wo ihm am Abend der Geschwister-Scholl-Preis überreicht werden sollte. „Das ist unglaublich. Wie kann eine große Gesellschaft mit einer so reichen Widerstandskultur jetzt einfach schweigen?“

Kurkow hob den Mut der Geschwister Hans und Sophie Scholl hervor, denen der Preis gewidmet ist. Mit Gleichgesinnten hatten sie in Flugblättern den Nationalsozialismus angeprangert und wurden im Februar 1943 festgenommen und hingerichtet. Auch in der schrecklichen Nazi-Zeit habe es kein Schweigen in Deutschland gegeben, betonte der Ukrainer. Manche Leute, die nicht mit dem Nationalsozialismus einverstanden waren, seien aktiv geworden.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Bayern und die Stadt München verleihen die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung. Kurkow erhält den Preis für sein „Tagebuch einer Invasion“, das demnächst auch auf Ukrainisch erscheinen soll.

Die Menschen würden sein Buch aber wohl erst nach dem Krieg lesen, vermutet der Autor, dessen Muttersprache russisch ist. Es herrsche eine Nervosität und jeder frage sich, was morgen passieren werde. „Das ist kein guter Zustand, um Bücher zu lesen“, sagte Kurkow. „Ich selber lese mit vielen Schwierigkeiten, ich will die ganze Zeit Nachrichten gucken, ich will meine Frau und meine Kinder anrufen und meine Freunde kontaktieren.“

Anders sei das mit der Poesie. „Die Leute brauchen jetzt Gedichte.“ Sie kämen zu Hunderten zu Lyrikabenden in Luftschutzbunkern oder U-Bahnstationen. „Das ist eine sehr emotionale Zeit.“

© dpa-infocom, dpa:221128-99-695818/2

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