Veröffentlicht am 07.12.2022 05:25

Schick zu Missbrauchsfällen: „Habe nie bewusst vertuscht“

Erzbischof Ludwig Schick. (Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild)
Erzbischof Ludwig Schick. (Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild)
Erzbischof Ludwig Schick. (Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild)
Erzbischof Ludwig Schick. (Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild)

Der zurückgetretene Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat bekräftigt, bei Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche nicht zaudernd reagiert zu haben. Er habe nie etwas „bewusst vertuscht, verzögert oder verheimlicht“, sagte er dem „Fränkischen Tag“ (Mittwoch). Schick ist zum 1. November aus dem Amt geschieden - Papst Franziskus hatte sein Rücktrittsgesuch angenommen.

Zuletzt hatte der Betroffenenbeirat der Geschädigten durch sexuellen, gewalttätigen und geistlichen Missbrauch im Erzbistum Bamberg sich kritisch geäußert: In der Amtszeit Schicks seien viele Missbrauchsfälle bekannt geworden. „Der ehemalige Erzbischof hat keine unmittelbare juristische Verantwortung für die Taten, die begangen wurden. Er hatte aber sehr wohl eine sehr große Verantwortung dafür, wie mit den Tätern und den Missbrauchsbetroffenen während seiner Amtszeit umgegangen wurde.“

Hier seien aus Sicht des Beirats Fehler gemacht worden, hieß es in einer Stellungnahme. Informationen seien nur „scheibchenweise“ bekannt gegeben worden, mit Tätern sei häufig nachsichtig umgegangen worden.

Der Beirat kritisierte, dass der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) Schick als neuen Ehrenbürger der Stadt vorgeschlagen hatte. Es solle unbedingt ein Gutachten zum Missbrauchs-Komplex im Erzbistum abgewartet werden, ehe über eine solche Ehrung nachgedacht werde.

Schick verneinte in dem Interview, dass er aus Resignation über den stagnierenden Reformprozess zurückgetreten sei: „Diese Dinge brauchen Zeit und Geduld. Wenn man jetzt Bischof emeritus ist, kann man die Dinge auch noch weiter voranbringen. Das ist nicht damit ad acta gelegt. Ich bleibe in der Kirche und will auch noch weiterhin mitwirken.“ Schick hatte sich wiederholt für Reformen ausgesprochen - etwa für mehr Beteiligung der Gläubigen bei Personalentscheidungen.

„Es ist eine wichtige Frage, dass Frauen wirklich gleichberechtigt in der Kirche mitwirken“, sagte der 73-Jährige weiter. „Und es ist auch richtig, das über Sexualität anders gesprochen wird als vor 40, 50 Jahren. Ein Stück offener sind wir geworden, aber hier muss noch einiges weitergeführt werden.“ Die Erzdiözese verabschiedet Schick nach 20 Jahren als Erzbischof am kommenden Sonntag (11. Dezember) bei einem Gottesdienst im Dom.

© dpa-infocom, dpa:221207-99-809902/2

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