Veröffentlicht am 04.07.2022 12:53

OB Reiter: Bahn muss Fakten zu Stammstrecke offen legen

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht in München. (Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild)
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht in München. (Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild)
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter spricht in München. (Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild)

Nach Bekanntwerden der mutmaßlich jahrelangen Verspätung und Kostenexplosion bei der zweiten Münchner S-Bahn-Röhre fordert Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Bahn mit harschen Worten zur raschen Offenlegung aller Fakten auf. Es sei „einigermaßen unglaublich“, wie die Bahn sich aktuell verstecke, sagte er am Montag in München. „Es ist eine Unverschämtheit, wie man hier mit den Bürgerinnen und Bürgern umgeht.“

Reiter warf Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vor, dieser habe einen Gesprächstermin in der vergangenen Woche platzen lassen, obwohl er in München gewesen sei. Wissing sei nun einmal zuständig, dann müsse er sich auch kümmern.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass das bayerische Verkehrsministerium von einer Steigerung der Kosten von 3,85 Milliarden auf bis zu 7,2 Milliarden Euro ausgeht. Und: Die Inbetriebnahme der zweiten zentralen S-Bahn-Strecke durch die Münchner Innenstadt könnte sich demnach von 2028 auf 2037 verzögern.

Allerdings beklagten auch die Projektbetreuer des Ministeriums, dass ihnen die aktuelle Kalkulation der Bahn nicht bekannt sei und dass es sich bei den Angaben deshalb um Schätzungen handele. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn wiederum betonte: „Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit unseren Projektpartnern. Dies umfasst auch die Zeit- und Kostenpläne des Projekts, die wir aktuell überprüfen.“

Reiter und Bayerns SPD-Landeschef Florian von Brunn forderten den Bund und den Freistaat als Projektträger der zweiten Stammstrecke nun auf, die Bahn zur Offenlegung aller Daten und Fakten zu zwingen. Eine zehnjährige Verzögerung wolle man nicht einfach als gottgegeben hinnehmen, sagte von Brunn. Reiter kommentierte eine solche Zeitspanne ebenfalls mehr als ungläubig: „Vielleicht hat man unterirdisch einen Vulkan gefunden“, spottete der SPD-Politiker.

Von Brunn warnte, eine zehnjährige Verzögerung wäre eine Katastrophe für die Menschen in München und im Umland, für die Klimapolitik und die gewünschte Verkehrswende. Reiter forderte den Freistaat auf, zur Stärkung des aktuellen S-Bahn-Netzes nun neue Züge zu beschaffen, für Taktverdichtungen auch ins Umland zu sorgen sowie Schwachstellen im Netz zu beseitigen, etwa beim anfälligen Stellwerk am Ostbahnhof.

© dpa-infocom, dpa:220704-99-902443/2

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