RATGEBER: Frauen & Familie / Berichte

Ja-Wort ohne Gäste

Hochzeit nur zu zweit sollte gut kommuniziert werden

Der schönste Tag im Leben - und keiner feiert mit. Für die einen ist dies der Alptraum, für die anderen die Idealvorstellung einer Hochzeit. Warum eine minimalistische Trauung das Richtige sein kann.

Brautpaar
Kein Stück von der Torte: Wenn Paare alleine heiraten, können sich Freunde und Familie ausgeschlossen oder verletzt fühlen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
18.12.2020 04:57 Uhr

Berlin (dpa/tmn) - Keine lange Menü-Planung, keine Diskussion über die Einladung für Tante Erika, keine nervige DJ-Suche: Eine Hochzeit zu zweit ist entspannter und oft auch günstiger als die große Party.

Der Trend aus den USA heißt: «Elopement Wedding» - also Durchbrennen und Heiraten. Aber ist das Paar nach solch einem Ja-Wort glücklicher? Und wen stößt eine heimliche Hochzeit vielleicht vor den Kopf?

«Die Eltern sind mit meiner Partnerwahl nicht einverstanden, oder mein Vater ist Alkoholiker und es gibt bei einer Feier immer Ärger», nennt der Paartherapeut Wolfgang Krüger als Beispiele dafür, warum eine kuschelige Hochzeit nur zu zweit einen Sinn ergeben kann.

Die Familientherapeutin Valeska Riedel rät jedoch allen, die darüber nachdenken, sich vorab mit der eigenen Intention auseinanderzusetzen: Will ich abrechnen? Bin ich pragmatisch? Oder entspricht «Elopement Wedding» genau meiner Vorstellung eines romantischen Ja-Worts?

Eltern könnten verletzt reagieren

Auf die Entscheidung reagiert eventuell nicht jeder positiv, warnt Riedel: «Gerade für Eltern kann es äußerst schmerzhaft sein, die Kinder in den nächsten Lebensabschnitt gehen zu lassen, ohne wirklich dabei sein zu dürfen.» Man sollte sich fragen: Wie denke ich darüber, wenn ich später mal selbst Kinder hätte und nicht dabei sein dürfte?

Der Paarberater Eric Hegmann empfiehlt, zumindest ein gemeinsames Essen oder eine Feier in kleinem Kreis zu organisieren. «Man tut gut daran, einen Weg zu finden, die entscheidenden Menschen vorher zu informieren», rät Riedel. Ist das nicht möglich, sollte sich das Paar vorab überlegen, wie es nach der Heirat damit umgehen will: Soll das Ja-Wort komplett geheim bleiben oder verschickt man hinterher Karten?

«Heutzutage informiert man hinterher ohnehin alle via Instagram», sagt Hegmann halb scherzhaft. Tatsächlich sind bereits manche Hochzeitsfotografen auf den Trend aufgesprungen. Sie bieten «Elopement-Pakete» an, um auch diesen intimen Moment für die Ewigkeit festzuhalten. Hegmann rät dazu, Fotos machen zu lassen: «Man bereut es, wenn man keine hat und nur eine Urkunde als Andenken behält.»

Hochzeit als Übergangsritual

«Die Hochzeit ist ein Übergangsritual wie eine Beerdigung oder Taufe, und als solches wichtig und sensibel», erläutert Riedel. Beim heimlichen Heiraten sei das Ritual ganz klein. «Starke Rituale haben jedoch Zeugen», gibt die Familientherapeutin zu bedenken. Nicht umsonst gibt es meist offizielle Trauzeugen, die das Ritual bekräftigen. Das sei eine alte Tradition und entspreche einer tiefen Weisheit: Was nicht gesehen wird, hat nicht stattgefunden.

Das Versprechen nicht nur voreinander zu geben, sondern auch vor der Familie, vor Freunden und - wenn man religiös ist - auch vor Gott, habe für viele Menschen eine zusätzliche Qualität. «Das kann ein Stück weit bereut werden, wenn man das nicht hatte», sagt Hegmann.

Die Hauptsache ist aber, dass beide Partner das gleiche wollen und dazu stehen. Schließlich - so bringt es Hegmann auf den Punkt - hat Romantik nichts mit Rosenblättern zu tun. Sondern mit der Dankbarkeit für den Moment, den man mit dieser einen Person verbringen kann.

© dpa-infocom, dpa:201217-99-726462/3

Studie Andrew Francis und Hugo Mialon



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