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«Mario Kart Live Home Circuit»

Mit dem Kart mitten durch die Wohnung

Es ist wie ein wahrgewordener Kindheitstraum: Mit einem echten ferngesteuerten Auto durch die Wohnung brettern und dabei «Mario Kart» spielen. Nintendo erfüllt nun diesen Traum - für viel Geld.

Spielspaß im Wohnzimmer
Rudel im Rennfieber: «Mario Kart Live: Home Circuit» soll sich auch mit bis zu vier Karts spielen lassen. Foto: Nintendo/dpa-tmn
20.10.2020 11:24 Uhr

Berlin (dpa/tmn) - Zwischen Stuhl- und Tischbeinen, unter der Couch, vorbei an Pflanzentöpfen und einer erschreckten Katze: «Mario Kart Live: Home Circuit» bringt den Rennspiel-Klassiker direkt ins Wohnzimmer.

Mit einem etwa 20 Zentimeter großen, ferngesteuerten Kart können die Spielenden durch die Wohnung brettern und dabei um Kurven driften, Schildkrötenpanzer werfen und Bestzeiten hinterherjagen. Im Prinzip ist das neue Nintendo-Gimmick eine Mischung aus ferngesteuertem Auto und Augmented-Reality-Spiel. Auf dem kleinen, solide verarbeiteten Plastik-Kart ist eine Kamera montiert, die ein Video-Bild auf die Switch streamt. Statt der starren Mario-Figur wird dann auf dem Bildschirm ein lebendiger Charakter animiert, der sich umschaut, mit den Armen wedelt und Power-Ups in den Händen hält.

Die Wohnung wird zur Rennstrecke

Das Layout der Rennstrecke bestimmen die Spieler selbst. Im Paket enthalten sind vier Tore aus Pappe, die in der Wohnung verteilt werden können. Anschließend platziert man das Kart vor dem ersten Tor. Auf dem Bildschirm erscheint ein Helferlein, das im Spiel die Reifen mit Farbe ausstattet. Daraufhin kann die Rennstrecke «gemalt» werden, indem man sie abfährt - mit beliebig vielen Kurven und Schikanen und in der richtigen Reihenfolge der nummerierten Tore.

Mit Rampen bekommt das flache Kart mit Hinterradantrieb allerdings ab und an Probleme. Ansonsten können nach Belieben Abkürzungen oder Hindernisse eingebaut werden. Natürlich mit allem, was Wohn- oder Spielzimmer so hergeben: Kissen, Stühle, Lichterketten, Stofftiere, Bauklötze und so weiter. Ist die Strecke fertig, können die Rennen beginnen.

Beim ersten Fahren fällt besonders der Kontrast zwischen Bildschirm und Realität auf: Gerade in den höheren der insgesamt vier Geschwindigkeitsstufen fühlt sich das Spielen enorm schnell an - während sich in der echten Welt einfach ein kleines, ferngesteuertes Auto über den Boden bewegt.

Anpassungsfähige Gegner

Im Einzelspielermodus fährt man mit computergesteuerten, animierten Gegnern um die Wetter, die auf dem Bildschirm zu sehen sind. Auf der ebenfalls eingeblendeten Strecke liegen Münzen und Power-Ups, mit denen man sich Vorteile verschaffen kann: Pilze beschleunigen das Kart, mit Schildkrötenpanzern und Bananenschalen kann man Gegner stoppen - oder von ihnen gestoppt werden.

Die Künstliche Intelligenz der Gegner passt sich dabei stark an das Können der Spielenden an. Wer etwa an einer Kante hängenbleibt, kann damit rechnen, dass die Gegner freundlich warten, statt weiter Richtung Ziellinie zu brettern. Dieser «Gummiband»-Effekt macht es allerdings auch schwer, die Gegner mit gutem Fahren abzuschütteln.

Wie im echten Leben: Ablenkung ist gefährlich

Ein paar Dinge schmälern das Fahrvergnügen. So braucht es ideale Lichtverhältnisse - nicht zu hell, nicht zu dunkel -, damit das Spiel seine Umgebung und die Tore richtig erkennt. Immer wieder kommt es im Test auch dazu, dass die eingeblendete Strecke unter dem Kart «verrutscht» und damit auf einmal Hindernisse im Weg liegen.

Gleichzeitig passiert auf dem Bildschirm so viel Animiertes, dass man Hindernisse ohne klaren Kontrast schnell übersieht und so etwa an einem Stuhlbein hängenbleibt. Auch die Reichweite von maximal fünf Metern zwischen Switch und Kart ist nicht immer ausreichend, wenn man die Konsole nicht in der Mitte des Raumes platzieren kann. Besonderes Interesse dürften Haustiere zu dem ferngesteuerten Kart entwickeln, was dem Zieleinlauf durchaus hinderlich sein könnte.

Ein teurer Spaß

Auch das Fahren im Multiplayer-Modus mit bis zu vier realen Karts ist laut Nintendo möglich, dies konnte jedoch nicht getestet werden. Denn davor gibt es auch eine sehr reale Hürde: den Preis. Ein Kart mit vier Papptoren kostet rund 100 Euro, dazu muss jedes mit einer eigenen Konsole gesteuert werden.

Außerdem braucht man zum Spielen ausreichend Wohnfläche, um überhaupt einen halbwegs interessanten Parcours aufbauen zu können. Vor dem Spielen außer Haus warnt das Spiel direkt beim Start. Insgesamt richtet sich das Spielzeug also eher an gut situierte Familien.

Zweifelsohne wird es «Mario Kart Live: Home Circuit» in diesem Jahr unter diverse Weihnachtsbäume schaffen. Zurecht - denn das Gesamtpaket ist eine witzige, innovative Idee, die auch in Älteren kindliche Freude auslösen kann. Doch wie oft man sich überwinden kann, das Spielzeug auszupacken, aufzubauen, einen neuen Kurs anzulegen und danach alles wieder wegzuräumen - das ist das große Fragezeichen hinter diesem kostspieligen Gimmick.

«Mario Kart Live: Home Circuit» ist für Nintendo Switch erschienen, ab sechs Jahren freigegeben und kostet rund 100 Euro.

© dpa-infocom, dpa:201020-99-08830/4

Mario Kart Live Home Circuit im Nintendo eShop



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