Veröffentlicht am 25.09.2022 04:37

Maulwürfe sind wie „turbogeladene Porsche-Motoren“

Ein Europäischer Maulwurf: Das Tier hat einen Energiesparmodus. (Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)
Ein Europäischer Maulwurf: Das Tier hat einen Energiesparmodus. (Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)
Ein Europäischer Maulwurf: Das Tier hat einen Energiesparmodus. (Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

Das Gehirn junger Europäischer Maulwürfe schrumpft einer Studie zufolge in ihrem ersten Winter um gut ein Zehntel.

Es verbraucht dadurch weniger Energie, was den Tieren hilft, durch die nahrungsarme Jahreszeit zu kommen, wie Forschende im Fachmagazin „Royal Society Open Science“ berichten. Im Sommer vergrößern sich Schädel und Gehirn demnach wieder, allerdings nicht bis zur früheren Maximalgröße.

Die Gewichtsreduktion wesentlicher Organe in den nahrungsarmen Wintermonaten - mitunter um ein Fünftel und mehr - wird Dehnel-Phänomen genannt. Der nach dem polnischen Zoologen August Dehnel benannte Effekt wurde 1949 zum ersten Mal bei Rotzahnspitzmäusen beschrieben. Auch Hermeline und Mauswiesel sind dazu in der Lage.

Schädel untersucht

Wie diese Spezies auch haben die nur 60 bis 120 Gramm wiegenden Europäischen Maulwürfe einen extrem hohen Stoffwechsel und sind in kalten Klimazonen das ganze Jahr über aktiv. „Ihre winzigen Körper sind wie turbogeladene Porsche-Motoren, die ihre Energiespeicher in wenigen Stunden aufbrauchen“, erklärte Mitautorin Dina Dechmann. In den kalten Wintermonaten finden die Insektenfresser dem Forscherteam zufolge nicht genug zu futtern für diesen hohen Umsatz. Um zu überleben, schalten sie in den Energiesparmodus - sie schrumpfen.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen um Lucie Nováková vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz hatten Schädel von Europäischen und Iberischen Maulwürfen aus Museumssammlungen vermessen und deren Entwicklung im Jahresverlauf verglichen. Die eng verwandten Arten leben in unterschiedlichen Klimazonen. 

Die Forschenden fanden heraus, dass nicht nur die Verfügbarkeit von Nahrung, sondern auch das Winterklima eine Rolle für die Veränderung des Gehirns des Europäischen Maulwurfs spielte. „Wenn es nur eine Frage der Nahrung wäre, dann müsste der Europäische Maulwurf im Winter schrumpfen, wenn die Nahrung knapp ist, und der Iberische Maulwurf im Sommer, wenn die große Hitze und Trockenheit die Nahrung knapp machen“, erklärte Dechmann. Aber: Der Schädel des Iberischen Maulwurfs verändere sich im Jahresverlauf nicht.

Und noch ein Ergebnis gab es: Die Schädel und Gehirne der Europäischen Maulwürfe schrumpften im Winter stärker als sie im Frühjahr darauf wieder wuchsen (im Mittel elf versus vier Prozent). Ähnlich wurde das schon bei Spitzmäusen beobachtet, die aber kaum mehr als ein Jahr leben. Bei den Maulwürfen, die fünf Jahre und älter werden können, würde das verglichen mit dem Schrumpfen geringere Wachstum hingegen bedeuten, dass die Tiere von Jahr zu Jahr kleiner werden. Die ausgewertete Stichprobe sei aber zu klein gewesen, um das beurteilen zu können, erläutern die Forschenden.

Maulwürfe sind fast blind und verlassen sich bei der Nahrungssuche auf ihren Tast- und Geruchssinn. Sie fressen Regenwürmer, Larven und Schnecken, aber auch kleine Nager und Echsen. Durch das Graben von unterirdischen Gängen entsteht überschüssiges Erdmaterial, das sie an die Erdoberfläche schieben - so entstehen die Maulwurfshügel.

© dpa-infocom, dpa:220925-99-887566/2

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