Veröffentlicht am 24.11.2022 05:02

Kann Flick auch Krisenmanager? Gegen Spanien geht's um alles

Bundestrainer Hansi Flick von Deutschland steht an der Seitenlinie. (Foto: Federico Gambarini/dpa)
Bundestrainer Hansi Flick von Deutschland steht an der Seitenlinie. (Foto: Federico Gambarini/dpa)
Bundestrainer Hansi Flick von Deutschland steht an der Seitenlinie. (Foto: Federico Gambarini/dpa)

Auf der Rückfahrt durch die dunkle Wüste ins Team-Quartier ploppte bei Hansi Flick und seinen nach dem 1:2 gegen Japan schwer gefrusteten Spielern Tor für Tor der Spanier gegen Costa Rica auf.

Und spätestens als die Fußball-Nationalmannschaft am Mittwochabend in ihrem Luxushotel am nördlichsten Zipfel von Katar eingetroffen war und zum Abendessen das 7:0 als Endergebnis feststand, musste auch dem Letzten im DFB-Tross bewusst geworden sein, wie arg sich die Lage bei der Weltmeisterschaft zugespitzt hat.

Schon am Sonntagabend (20.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) könnte bei einer weiteren Niederlage gegen Angstgegner Spanien das nächste Vorrunden-Aus vier Jahre nach dem historischen WM-Desaster in Russland besiegelt sein. Und zwar dann, wenn die Japaner einige Stunden zuvor auch gegen Costa Rica punkten. „Wir haben jetzt Druck auf dem Kessel“, sagte Offensivakteur Kai Havertz. Kapitän Manuel Neuer bewertete den WM-Einstieg als „Vollkatastrophe“. Und Spaniens Trainer Luis Enrique kündigte berauscht von der Torgala seines spektakulären Teams an: „Wir werden genauso versuchen, gegen Deutschland zu spielen.“

Flick muss sich beweisen

Alle Augen richten sich jetzt auf Hansi Flick. Der Bundestrainer muss zeigen, dass er ein starker und erfolgreicher Krisenmanager sein kann. Der 57-Jährige ist mit seinem Team im Grunde zum Siegen verdammt, erst gegen Spanien und anschließend gegen Costa Rica. Wie das gelingen soll, das will er am Donnerstag erklären: Flick stellt sich außerplanmäßig in einer Videoschalte den Medien. Eigentlich sollte am Tag nach dem Spiel einer seiner Assistenten sprechen.

„Wir haben die Qualität, um zu gewinnen - aber das müssen wir über 90 Minuten zeigen“, hatte Flick nach den späten Joker-Toren der Japaner durch den Freiburger Ritsu Doan und den Bochumer Takuma Asano noch im Chalifa-Stadion in Al-Rajjan gesagt. Nach dem Chancenwucher sowie dem krassen Leistungsabfall und Defensivversagen in den letzten 20 Minuten stellte er aber auch die Charakterfrage und nahm seine Spieler in die Pflicht.

Personalentscheidungen und Wechsel fragwürdig

„Es ist so, dass ich ganz großen Wert darauf lege, dass die Mannschaft die richtigen Schlüsse zieht und die Verantwortung übernimmt“, sagte er. Aber auch Flick wird sich in der Aufarbeitung der absolut vermeidbaren Niederlage mit seinem Trainerteam hinterfragen müssen. Einige Personalentscheidungen und auch Wechsel waren durchaus fragwürdig, besonders die Auswechslung von Elfmeter-Torschütze und Stabilisator Ilkay Gündogan.

Besitzt die Mannschaft nun die notwendige Geschlossenheit und Stressresistenz, um unter größtmöglichen Druck gegen die berauschten Spanier eine Top-Performance zu liefern? Kapitän Neuer ließ im spontanen Frust Zweifel erkennen: „Irgendwie hat man schon gemerkt, der ein oder andere Spieler fängt an zu wackeln“, sagte er nach dem späten Untergang. Man habe sich „nicht mehr so gezeigt auf dem Platz“, rügte der Torwart. Dass es schon gegen Japan „ins Bröckeln gerät, ist dramatisch“. Dramatisch wie die Gesamtsituation.

© dpa-infocom, dpa:221124-99-641130/5

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