Veröffentlicht am 28.09.2022 09:13

Hohe Haftstrafen für Bande von Callcenter-Betrügern

Jahrelang haben falsche Polizeibeamte einer international agierenden Bande arglose Menschen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg ausgenommen. Nun sind in der Türkei 67 Männer und Frauen wegen organisierten Callcenter-Betrugs verurteilt worden. Das Landgericht in der Stadt Izmir habe teils hohe Haftstrafen verhängt und Vermögenswerte von umgerechnet mehr als 60 Millionen Euro eingezogen, teilte das Polizeipräsidium München am Mittwoch mit. Den Schaden der Opfer beziffert die Polizei auf mehr als 120 Millionen Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu hatte darüber bereits am Montag berichtet.

Der Anführer der Bande hatte sich 2012 von Bremen in die Türkei abgesetzt und dort das Callcenter eingerichtet. Telefonisten, auch Keiler genannt, riefen von dort aus die Opfer an und gaben sich als Polizisten aus, um mit erfundenen Geschichten ihren Opfern Geld und Wertgegenstände zu entlocken. Im Dezember 2020 waren der Anführer und weitere Mitglieder bei einer Razzia in Izmir festgenommen worden.

„Nach unseren Ermittlungen sind diese Bandenstrukturen ein Milieu mit höchster krimineller Energie, denn die Täter schrecken auch vor schweren Straftaten nicht zurück“, sagte Hans-Peter Chloupek, der bei der Polizei in München die darauf spezialisierte Ermittlungseinheit AG Phänomene leitet. Entsprechend hoch sind die Strafen. Der Chef der Bande bekam der Polizei zufolge eine Haftstrafe von 400 Jahren und sechs Monaten, andere zwischen sechs Monaten und 199 Jahren.

Seit 2017 waren Beamte aus Bayern und Baden-Württemberg sowie des Bundeskriminalamtes den Tätern auf der Spur. Chloupek sprach von einem Urteil mit Signalwirkung für ähnliche Verfahren im In- und Ausland. „Die enge Zusammenarbeit mit den Behörden in der Türkei bei der Aushebung solcher Callcenter hat sich über Jahre hinweg etabliert und ist sehr gut.“ Der Beamte hofft nun auf ein gutes Ende für die Betrogenen, auch mit Blick auf die Vermögenswerte, die eingezogen wurden. „Wir hoffen, dass damit die Opfer nun auch finanziell von den türkischen Behörden entschädigt werden können“, sagte er.

© dpa-infocom, dpa:220928-99-926359/3

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