Veröffentlicht am 20.01.2023 04:48

Höhenflug an Herd und Piste: Im größten Skigebiet der Welt

Die Pisten sind noch frisch: Abfahrt vom Gipfel La Vizelle. (Foto: Bernhard Krieger/dpa-tmn)
Die Pisten sind noch frisch: Abfahrt vom Gipfel La Vizelle. (Foto: Bernhard Krieger/dpa-tmn)
Die Pisten sind noch frisch: Abfahrt vom Gipfel La Vizelle. (Foto: Bernhard Krieger/dpa-tmn)
Die Pisten sind noch frisch: Abfahrt vom Gipfel La Vizelle. (Foto: Bernhard Krieger/dpa-tmn)

Luxushotels, Gourmetrestaurants und Edelhütten - Courchevel ist das St. Tropez im Schnee.

Wenn die feine Gesellschaft im Winter das Savoir-vivre in dem bekannten Ferienort in den französischen Alpen zelebriert, sind Skifahren und Snowboarden für viele nur Nebensache. Dabei schlägt in Courchevel und im benachbarten Méribel ein sportliches Herz hinter der noblen Fassade - und das ziemlich stark.

Die Skiorte auf ungefähr halben Weg zwischen Lyon und Turin sind eine Keimzelle des französischen Skirennsports. Kaum laufen zum Saisonstart Anfang Dezember die Lifte, flitzen dort Nachwuchstalente mit ihren Trainern über präparierte Pisten. Ihre genauso eleganten wie rasanten Schwünge verraten sie längst, bevor man ihre mit Sponsorenlogos und Club-Emblemen übersäten Skianzüge erkennt.

Zusammen mit Val Thorens bilden Courchevel und Meribél das Skigebiet Les Trois Vallées. Mit mehr als 180 Liften und 339 markierten Pisten mit einer Gesamtlänge von rund 600 Kilometern ist der „Drei-Täler-Verbund“ das nach eigenen Angaben größte zusammenhängende Skigebiet der Welt. An Neuschneetagen sind vor allem die Varianten-Abfahrten im lawinenüberwachten Freeride-Areal am Creux Noirs ein Traum.

Höchster Wintersportort der Alpen

Während die weiße Pracht anderswo wegen des Klimawandels oft ausbleibt, rieselt sie in den Hochlagen des Département Savoyen noch recht zuverlässig vom Himmel. 85 Prozent der Pisten befinden sich zwischen 1800 und 3230 Metern über Meereshöhe. Das schafft Schneesicherheit. Auch Talabfahrten in die Orte sind fast immer möglich. Vor allem in Val Thorens.

Die von Bettenburgen geprägte Retortensiedlung auf 2300 Metern ist der höchstgelegene Wintersportort der Alpen. Das charmantere Méribel liegt im Herzen des Verbunds immerhin noch auf 1400 Metern. Courchevel erstreckt sich mit seinen diversen Ortsteilen von 1300 bis auf 1850 Meter.

Damit liegen die Orte höher als so manche Gipfelstation anderswo. Und sollte Frau Holle doch mal streiken, helfen 2300 Kunstschnee-Anlagen nach. Sie werden nach Betreiberangaben ausschließlich mit Wasser und erneuerbaren Energien betrieben.

Immer beeindruckend ist das Panorama der Trois Vallées. Vom Gletscher unterhalb des 3561 Meter hohen Aiguille de Péclet schweift der Blick über 1000 Gipfel der italienischen, schweizerischen und französischen Alpen inklusive des 4808 Meter hohen Mont Blanc.

Les Trois Vallées ist auch ein Anziehungspunkt der Hautevolee. Die schwebt gern mit dem Privatflieger auf dem Altiport von Courchevel ein, oder sie brettert mit High-End-Karossen in die Berge. Umweltbewusster reist man im Hochgeschwindigkeitszug TGV bis Lyon an, das für Genießer ein Muss-Zwischenstopp ist. Schließlich ist Lyon die Stadt von Paul Bocuse. Der 2018 verstorbene Jahrhundertkoch hat seine Heimatstadt am Fuße der Alpen zu einem Mekka für Gourmets gemacht.

Starkoch-Einflüsse in Courchevel und Méribel

Bocuse hat auch die Top-Köche in Courchevel und Méribel inspiriert. Die Trois Vallées beherbergen ein Dutzend Sterne-Restaurants, aber auch einfache, urige Lokale mit lokalen Spezialitäten wie das „L’Étable des Lys“ in einer engen Gasse von Le Praz.

Schon aus der Ferne verrät der Käseduft, dass sich dort in einem Gewölbekeller eine der besten Fondue- und Raclette-Stuben der Gegend versteckt. Fondue, Raclette sowie Tartiflette (mit Käse überbackene Kartoffeln) gehören neben deftigen Würsten zu den bekanntesten Spezialitäten der Region.

Genuss ist vielen Gästen in Savoyen mindestens so wichtig wie das Skifahren, weshalb auch die Almen übersät sind mit erstklassigen Hütten. Wer nicht reserviert hat, braucht Geduld, um im „La Cave des Creux“ oder im „Chalet de Pierres“ einen Platz zu ergattern. Franzosen schlemmen dort mittags stundenlang. Champagner und Rotwein fließen in Strömen.

„Trois Vallées ist so riesig, das schafft ihr ohnehin nicht an einem Tag - warum also hetzen?“, meint die Kellnerin im „La Cave des Creux“, bevor sie für eine feuchtfröhliche Runde noch eine Weinflasche öffnet.

Für den Heimweg gibt es zum Glück eine sehr einfache Piste von der Hütte am Altiport vorbei nach Courchevel. Und zur Not bringt der Wirt seine weinseligen Gäste mit einer kleinen Pistenraupe ins Tal.

Les Trois Vallées

© dpa-infocom, dpa:230119-99-282266/2

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