Veröffentlicht am 07.10.2022 13:17

Gibts beim „Club“ den Weinzierl-Effekt?

Trainer Markus Weinzierl reagiert während des Spiels. (Foto: Jan Woitas/dpa/Archivbild)
Trainer Markus Weinzierl reagiert während des Spiels. (Foto: Jan Woitas/dpa/Archivbild)
Trainer Markus Weinzierl reagiert während des Spiels. (Foto: Jan Woitas/dpa/Archivbild)

Markus Weinzierl hat beim 1. FC Nürnberg die Casting-Show eröffnet. Der neue Trainer des in die Krise gerutschten fränkischen Traditionsvereins schürt für seine Premiere in der 2. Fußball-Bundesliga den Konkurrenzkampf. „Jeder kann sich zeigen, jeder muss seine Chance nutzen. Den Effekt wünsche ich mir“, verkündete der Hoffnungsträger vor seinem Debüt am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) gegen Holstein Kiel.

Der 47-Jährige soll die Nürnberger nach nur zehn Punkten aus zehn Spielen wieder nach oben führen. „Die Jungs wissen, dass sie es besser machen können und besser machen müssen. Es gilt, dass sich jeder einzelne zeigt und die Spielminuten, die er bekommt, auch nutzt“, formulierte Weinzierl seinen Anspruch.

Eine Generalüberholung kann er bei den Franken nicht vornehmen. „Ich habe gar nicht die Erkenntnisse und die Zeit, um alles auf Links zu drehen. Ich kenne die Spiele, ich kenne die Ergebnisse und weiß, dass in unterschiedlichen Spielen unterschiedliche Halbzeiten gespielt wurden“, sagte der langjährige Augsburger Trainer am Freitag über die Leistungsschwankungen seiner neuen Mannschaft.

Weinzierl hat als Nachfolger von Robert Klauß in den wenigen Einheiten seit seiner offiziellen Vorstellung am Dienstag viel ausprobiert. Ein 4-1-3-2-System gehörte dazu wie auch eines mit zwei Sechsern sowie eine Forderung an Angreifer Kwadwo Duah. Der Neuzugang vom FC St. Gallen ist für ihn der „prädestinierte Umschaltspieler“, müsse aber mehr zeigen. „Er muss sich zerreißen. Ich erwarte von einem Stürmer, dass er für die Mannschaft arbeitet“, verlangte Weinzierl. Gleichzeitig müssten aber auch die Mitspieler den Schweizer effektiver unterstützen.

Und wie steht es um die Einstellung seiner neuen Spieler? Kapitän Christopher Schindler hatte nach dem für Klauß folgenschweren 0:3 gegen den Karlsruher SC am vergangenen Wochenende die Mentalitätsfrage gestellt. „Wir sprechen die Dinge immer wieder an, aber einige kapieren es scheinbar nicht“, hatte Schindler geschimpft. „Wir müssen widerstandsfähig sein. Das ist eine Einstellungssache und hat nichts mit der fußballerischen Qualität zu tun.“

Weinzierl teilt diese Einschätzung nicht. „Die Jungs sind alle in Ordnung, sie sind hoch motiviert. Manchmal klappt es besser, die Leistung auf den Platz bringen, manchmal eben weniger. In den letzten beiden Auswärtsspielen war es definitiv zu wenig, deswegen war die Unzufriedenheit groß“, äußerte der langjährige Augsburger Coach, der im Sommer seinen Abschied im Groll live vor den TV-Kameras angekündigt hatte.

Weinzierl selbst hat nie in der 2. Liga trainiert, Eingewöhnungsprobleme erwartet er für sich aber nicht. „Auch wenn man in der ersten Liga arbeitet, hat man die Zeit, dass man die Zweite Liga schaut“, bemerkte er. Als Erstligacoach bestreite man außerdem viele Testspiele gegen Zweitligisten, suche dort nach Talenten und sein aktueller Trainerstab kenne die zweithöchste deutsche Spielklasse bestens. Zudem hat Weinzierl joblos in den vergangenen Monaten reichlich Zeit gehabt. „Ich bin schon mittendrin“, versicherte er.

© dpa-infocom, dpa:221007-99-42263/3

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