Veröffentlicht am 10.06.2022 16:09

„Ein großes Geschenk“ für den Windsbacher Knabenchor

Bei der Probe für die Bachwoche 2021 in Corona-Aufstellung: der Windsbacher Knabenchor und das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Martin Lehmann. (Foto: Jim Albright)
Bei der Probe für die Bachwoche 2021 in Corona-Aufstellung: der Windsbacher Knabenchor und das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Martin Lehmann. (Foto: Jim Albright)
Bei der Probe für die Bachwoche 2021 in Corona-Aufstellung: der Windsbacher Knabenchor und das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Martin Lehmann. (Foto: Jim Albright)

Schwere Zeiten hat der Windsbacher Knabenchor hinter sich. Und noch ist nicht auszumachen, wann sie enden. Martin Lehmann kann mit seinem Chor nicht so proben, wie er möchte. Das hatte auch für die Konzerte bei der Bachwoche gravierende Folgen.

Der pandemische Sicherheitsabstand, der in Bayern vorgeschrieben ist, treibt die Chorsänger auseinander. Virtuose Werke sind so kaum zu bewältigen. Die gewohnte Choraufstellung ist unmöglich. Und jedes Podium wird bei zwei Metern Entfernung zwischen den Sängern zu klein für die Windsbacher.

80, 90 Chorsänger hätten wie gewohnt bei der Bachwoche auftreten sollen. Nun rechnet Martin Lehmann mit 25 Choristen, dazu drei Solisten und ein kleines Orchester. Mehr nicht. Im April haben sich daher die Windsbacher schweren Herzens von Bachs Matthäus-Passion verabschiedet. Sie sollte ein Höhepunkt dieser Bachwoche werden. „Es war klar“, sagt Lehmann, „dass wir Bachs größtbesetztes Werk in Pandemie-Zeiten definitiv in St. Gumbertus nicht unterbringen und auch nicht die zwei Orchester auf eines reduzieren können“.

Ausgesucht hat er darum zwei kleiner besetzte Trinitatis-Kantaten, BWV 33 und 102. Bewusst wollte er kein A-cappella-Programm. „Mir war wichtig, dass der Chor zum Ende des Schuljahres auch wieder ein Orchester-Projekt hat.“ Dass das mit dem Freiburger Barockorchester, einem Spitzenensemble, möglich wird, freut ihn sehr. „Das ist ein großes Geschenk für den Chor“.

Das Programm hat Lehmann mit 36 Sängern einstudiert. Bei jedem Konzert wird sich daher die Besetzung ändern. Lehmann will mehr Chorsängern, als auf das Podium passen, ein Konzerterlebnis ermöglichen. „Ideal ist das natürlich nicht“, sagt er, „wir arbeiten jetzt schon seit anderthalb Jahren so.“ Eine stehende Besetzung wäre ihm lieber. „Aber auch in diesen kleinen Besetzungen haben wir sehr ordentliche Konzerte gesungen“. Vor kurzem in Brandenburg, wo andere Regeln gelten, durften die Windsbacher in klassischer Choraufstellung auftreten: „Wir haben Tränen in den Augen gehabt.“ Dass Martin Lehmann nach Dresden zum Kreuzchor wechseln will, ist für ihn derzeit kein Thema. „Die Findungskommission hat gesprochen. Mehr ist es aktuell nicht.“ In diesen Tagen gilt die ganze Konzentration den Kantaten-Konzerten. Den ersten seit langem.

Thomas Wirth

Dieser Artikel erschien das erste Mal in der FLZ vom 5. August 2021.

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