Veröffentlicht am 01.07.2022 18:43

Drogenhändler setzte 1,4 Millionen Euro um: Satter Rabatt vor Gericht

Zug um Zug hat die Kripo einen Drogenring zwischen Ansbach und Crailsheim aufgedeckt. Das Bild zeigt einen Fund von rund sieben Kilo Marihuana und mehrere zehntausend Euro Bargeld. (Foto: Polizei)
Zug um Zug hat die Kripo einen Drogenring zwischen Ansbach und Crailsheim aufgedeckt. Das Bild zeigt einen Fund von rund sieben Kilo Marihuana und mehrere zehntausend Euro Bargeld. (Foto: Polizei)
Zug um Zug hat die Kripo einen Drogenring zwischen Ansbach und Crailsheim aufgedeckt. Das Bild zeigt einen Fund von rund sieben Kilo Marihuana und mehrere zehntausend Euro Bargeld. (Foto: Polizei)

Drei Jahre lang hat ein junger Mann das große Rad drehen wollen. Er machte mit Drogen im Gebiet zwischen Crailsheim und Ansbach rund 1,4 Millionen Euro Umsatz. Jetzt servierte ihm das Landgericht Ansbach die Rechnung. Sie fiel deutlich kleiner aus als üblich. Seine umfangreichen Aussagen ersparten dem Mann mehrere Jahre Gefängnis.

Den Rabatt bastelte die Große Strafkammer am Landgericht Ansbach aus mehreren Bausteinen. Sie verhängte eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren. Das ist schon mal ein Nachlass von rund einem Drittel der möglichen Strafe. Davon darf der heute 26-Jährige zudem zwei Jahre in einer gesicherten Therapieeinrichtung verbringen. Wenn er sich gut entwickelt und die Ärzte ihm die Überwindung der Sucht bescheinigen, ist er danach auf Bewährung entlassen.

Die Therapie dient nicht dem Entzug, sondern dem Ziel, in Freiheit wieder ohne Drogen leben zu können. Vor der Therapie muss er nur noch 15 Monate hintern Gittern bleiben. Dort sitzt er seit September des Vorjahres. Insgesamt kann er also nach vier Jahren auf Bewährung in die Freiheit zurückkehren.

Auf den ersten Blick ist es eine milde Strafe, die die Richter mit der Zustimmung der Staatsanwaltschaft verhängten. Immerhin hatte der Crailsheimer seit August 2018 laut Anklage mit mindestens 221 Kilogramm Marihuana, 26 Kilogramm Amphetamin, 207 Gramm Kokain und 2000 Ecstasy-Tabletten gehandelt.

Ein dickes Plus verschaffte er sich bei der Justiz, weil er nach seiner Festnahme reinen Tisch machen wollte. Er lieferte umfangreiche Angaben zu einem weitverzweigten Netzwerk, das bei der Ansbacher Kripo zu einer eigenen Ermittlungskommission führte. „Westwind“ heißt sie mit dem Blick auf das benachbarte Baden-Württemberg. Ein 17-Jähriger aus dem Landkreis Ansbach hatte Ende März einen Suizidversuch mit Amphetaminen überlebt.

Danach offenbarte er der Polizei seinen Lieferanten, einen 20-Jährigen ebenfalls aus dem Kreis Ansbach. Zug um Zug deckte die Kripo die größeren und kleineren Dealer auf. Weil bei dieser Arbeit Geständnisse und Aussagen über Konsumenten und Hintermänner extrem helfen, werden sie von der Justiz kräftig belohnt.

Ein kleines Rädchen war die damalige Lebensgefährtin des nun Verurteilten. Sie stand mit ihm am Donnerstag vor dem Landgericht, weil sie ihrem Freund in vielerlei Hinsicht geholfen hatte. Beim Lagern, Verpacken und Ausliefern der Drogen, unter anderem zu Konsumenten in Geslau, Leutershausen, Gebsattel und Ansbach. Sie bekam dafür eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten.

Manfred Blendinger

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