Veröffentlicht am 30.09.2022 07:49

Chinas Wirtschaft gerät wegen Corona-Maßnahmen unter Druck

Lockdown in Peking. In den vergangenen Wochen hatte es wieder Covid-Ausbrüche in vielen Regionen gegeben, auf die China mit Lockdowns, Massentests und anderen Beschränkungen reagiert wurde. (Foto: Andy Wong/AP/dpa)
Lockdown in Peking. In den vergangenen Wochen hatte es wieder Covid-Ausbrüche in vielen Regionen gegeben, auf die China mit Lockdowns, Massentests und anderen Beschränkungen reagiert wurde. (Foto: Andy Wong/AP/dpa)
Lockdown in Peking. In den vergangenen Wochen hatte es wieder Covid-Ausbrüche in vielen Regionen gegeben, auf die China mit Lockdowns, Massentests und anderen Beschränkungen reagiert wurde. (Foto: Andy Wong/AP/dpa)

Chinas Wirtschaft leidet unter Lockdowns und anderen Beschränkungen im Kampf gegen die Pandemie. Während ein offizielles Konjunkturbarometer am Freitag nur leicht nach oben zeigte, fiel ein unabhängiger Frühindikator im herstellenden Gewerbe überraschend stark. Auch die Stimmung im Dienstleistungsbereich verschlechterte sich stärker als erwartet. „Der Abwärtsdruck hat zugenommen“, stellte der Chefökonom Wang Zhe vom Wirtschaftsmagazin „Caixin“ fest.

Die Schwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft sind schlechte Nachrichten vor dem nur alle fünf Jahre stattfindenden Kongress der Kommunistischen Partei, der am 16. Oktober in Peking beginnt. Nach zehn Jahren will sich Staats- und Parteichef Xi Jinping auf dem Parteitag für eine ungewöhnliche dritte Amtszeit bestätigen lassen.

Wachstum nur noch bei 0,4 Prozent

Schon im zweiten Quartal fiel das Wachstum auf nur noch 0,4 Prozent. Experten rechnen damit, dass die Wachstumsvorgabe der Regierung von 5,5 Prozent für dieses Jahr verfehlt wird. Die Weltbank reduzierte ihre Erwartung für China diese Woche deutlich auf 2,8 Prozent.

Das Statistikamt berichtete, dass der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie im September von 49,4 im Vormonat auf 50,1 Punkte gestiegen sei. Der amtliche Index misst vor allem die Stimmung in großen und staatlichen Unternehmen, die von den starken Hilfen profitieren, mit denen gerade die Konjunktur angekurbelt werden soll.

Dagegen fiel aber der Index des renommierten Magazins „Caixin“, der stärker private und mittelgroße Unternehmen erfasst, überraschend stark von 49,5 auf 48,1 Punkte. Es war der zweite monatliche Rückgang in Folge. Ein Wert unter der 50-Punkte-Marke deutet auf Kontraktion der Industrie hin, während darüber von Expansion ausgegangen wird.

Der offizielle Index im Dienstleistungsgewerbe, der auch den angeschlagenen Bausektor einschließt, fiel laut Statistikamt von 52,6 im August auf 50,6 Punkte - auch mehr als vorhergesagt.

Chinesische Unternehmer zunehmend pessimistisch

„Insgesamt ist die Pandemielage weiter ernst und kompliziert, und die negativen Auswirkungen der Covid-Kontrollen auf die Wirtschaft treten deutlich hervor“, sagte „Caixin“-Experte Wang Zhe. „Unternehmer sind viel weniger optimistisch.“ Für sie sind demnach die Auswirkungen der Pandemiemaßnahmen der stärkste Faktor für den Abschwung.

In den vergangenen Wochen hatte es wieder Covid-Ausbrüche in vielen Regionen gegeben, auf die mit Lockdowns, Massentests und anderen Beschränkungen reagiert wurde. Während der Rest der Welt versucht, mit dem Virus zu leben, verfolgt China weiter eine Null-Covid-Strategie, um jeden Ausbruch im Keim zu ersticken und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern.

Auch der Arbeitsmarkt schwächelt

Sowohl Angebot als auch Nachfrage hätten im September nachgelassen, berichtete „Caixin“. „Der Arbeitsmarkt war schwach.“ Logistik und Transport seien leicht schleppend. „Die größten Probleme der Wirtschaft sind unzureichende Beschäftigung, schleppende Nachfrage und wankelmütige Erwartungen“, sagte Wang Zhe.

Chinas Regierungschef Li Keqiang hält gegenwärtig ein Krisentreffen nach dem anderen, um eine Erholung auf den Weg zu bringen. Zuletzt räumte der Premier ein, dass schwache Nachfrage eine „akute Herausforderung“ sei. Auch gebe es Bemühungen, um die Logistik „reibungslos“ und die Versorgung mit Kohle, Strom und anderer Energie „stabil“ zu halten, sagte der Premier, ohne konkreter auf wiederholte, quälende Engpässe einzugehen.

© dpa-infocom, dpa:220930-99-953144/2

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